Eine einstufige Rakete wird mit der Geschwindigkeit
im kräftefreien Raum gestartet. Sie soll nach dem Zurücklegen einer Strecke von einem Kilometer eine Masse (Nutzlast- und Strukturmasse) von 50 kg auf
bringen. Der Massenverlust
und die effektive Austrittsgeschwindigkeit
seinen während der Antriebsphase konstant.
a )
Wie groß ist die Startmasse der Rakete, wenn die spezifische Energie des Brennstoffes
beträgt und davon nur 80% als Antriebsenergie zur Verfügung stehen?
b )
Wie groß muss der Treibstoffverbrauch/Sekunde
sein, damit die Rakete gerade nach dem Zurücklegen der Strecke (1 km) Brennschluss hat?
c )
Wenn
um den Faktor 2 größer wäre als der in b) berechnete Wert, nach welcher Strecke würde die Rakete dann dieselbe Geschwindigkeit
erreicht haben?
Lösung
Zu den Wirkungsgraden:
Es ist vorteilhaft, den Gesamtwirkungsgrad
eines Raketenantriebssystems in zwei Komponenten aufzuteilen, in einen inneren Wirkungsgrad
und einen äußeren oder Vortriebs-Wirkungsgrad
:

Der innere Wirkungsgrad
beschreibt das Antriebssystem selbst und wird daher im Zusammenhang mit jeder Gruppe von Triebwerken einzeln behandelt. Generell ist der innere Wirkungsgrad für ein raketenartiges Triebwerk immer die effektive Schubstrahlenergie (bzw. Schubstrahlleistung
) dividiert durch die Energie (bzw. Leistung), die unter idealen Umständen in Schubstrahlenergie hätte umgewandelt werden können. Für chemische Raketen heißt das, dass die gesamte chemische Energie
, die im Treibstoff enthalten ist, umgewandelt wird.
Es ist also:

Für das chemische System gilt damit allgemein:

Der äußere oder Vortriebs Wirkungsgrad
eines Raketensystems nimmt die effektive Leistung des Schubstrahls
als gegeben an beschreibt, welcher Anteil dieser Leistung in Flugkörperenergie umgewandelt wird.

Es sollte betont werden, dass bei allen Energie- oder Leistungsbetrachtungen darauf zu achten ist, dass die Resultate generell nur für ein gegebenes Bezugssystem gültig sind. Diese Tatsache kann bei Energiebetrachtungen, besonders bei den äußeren Wirkungsgraden von Raketensystemen, Schwierigkeiten bereiten.
Zur Aufgabe:
a )
Gegeben:
Kräftefreier Raum, Anfangsgeschwindigkeit: 
Zurückgelegte Strecke: 1km mit der Brennschlussmasse
und 
Spezifische Energie des Brennstoffes:
von denen nur 80% als Antriebsenergie zur Verfügung stehen, d.h. für den inneren Wirkungsgrad
gilt: 
Gesucht:
Startmasse
der Rakete.
Wie in der Einleitung zur Aufgabe erläutert, gilt für den inneren Wirkungsgrad
der Rakete:

Daraus ergibt sich für die effektive Rückstoßgeschwindigkeit
:

Die Rakete in der Aufgabe hat nur eine Stufe. Das Antriebsvermögen der Rakete ist bekannt:

Eingesetzt in die Ziolkowsky-Gleichung ergibt sich für die Startmasse der Rakete
:

b )
Gesucht:
Massendurchsatz
bei 1km zurückgelegter Strecke.
Es folgt aus der Geschwindigkeitsbeziehung:

Aus der Ziolkowsky-Gleichung folgt für die zeitabhängige Geschwindigkeit der Rakete:

Für die Abhängigkeit der Raketenmasse mit der Zeit gilt:

Dabei gilt für die Änderung der Masse mit der Zeit, also den Massengradienten, der während des Fluges stetig abnimmt:

Daraus lässt sich nun zusammenfassen:




![Rendered by QuickLaTeX.com =\frac{{{c_e}}}{{\dot m}}\cdot\left[{m\cdot\ln\left({\frac{m}{m_0}}\right)-m}\right]_{{m_0}}^{{m_b}}](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-d3df4aa5498e85c8831fbbf5718efbdf_l3.png)
![Rendered by QuickLaTeX.com =\frac{{{c_e}}}{{\dot m}}\cdot\left[{{m_b}\cdot\ln\left({\frac{m_B}{m_0}}\right)-{m_b}-\left({\underbrace{{m_0}\cdot\ln\left({\frac{m_0}{m_0}}\right)}_0-{m_0}}\right)}\right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-5f6fcb53264c24d855b54cd3c3765d0a_l3.png)
![Rendered by QuickLaTeX.com =\frac{{{c_e}}}{{\dot m}}\cdot\left[{{m_b}\cdot\ln\left({\frac{m_B}{m_0}}\right)-{m_b}-\left({-{m_0}}\right)}\right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-80959c42a3f935ea96bf46ac1a188f5a_l3.png)
![Rendered by QuickLaTeX.com =\frac{{{c_e}}}{{\dot m}}\cdot\left[{{m_b}\cdot\ln\left({\frac{m_B}{m_0}}\right)+{m_0}-{m_b}}\right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-40ebc84b4dffc9e6ad756ab52a4463c8_l3.png)
![Rendered by QuickLaTeX.com \Rightarrow\quad\dot m=\frac{{{c_e}}}{{\Delta s}}\cdot\left[{{m_b}\cdot\ln\left({\frac{m_B}{m_0}}\right)+{m_0}-{m_b}}\right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-4925500a89c8a0ce74493e0b8aee8185_l3.png)
![Rendered by QuickLaTeX.com =\frac{{2830\frac{m}{s}}}{{1000m}}\cdot\left[{50kg\cdot\ln\left({\frac{{50kg}}{{166kg}}}\right)+166kg-50kg}\right]=\underline{\underline{158,5\frac{{kg}}{s}}}](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-39ed962b4e373f3f1f10b35a0bf38253_l3.png)
c )
Wegen
ist aus der Gleichung in Aufgabenteil b) ersichtlich, dass eine Verdoppelung des Massendurchsatzes eine Halbierung der benötigten Strecke
nach sich zieht, die zum Erreichen der gewünschten Geschwindigkeit
aus benötigt wird.



