Statistischer Raum
Ein statistischer Raum ist ein Tripel: 
Dabei bezeichnet man
als den Ereignisraum oder Stichprobenraum.
:
Die Menge der möglichen Ergebnisse / Messwerte / Beobachtungswerte
Eine Zufallsvariable (ZV) heißt
- wertig, wenn sie (nur) Werte aus
annimmt.
:
Die σ-Algebra zu 
Im diskreten Fall:
(Potenzmenge)
Im stetigen Fall:
(Borellmenge)
:
Eine Menge von Verteilungen / Wahrscheinlichkeitsmaßen
Z.B.
,
,
, 
Häufig kommt
in parametrisierter Form vor:

Z.B.: ![Rendered by QuickLaTeX.com \mathcal{W}_x = \left\{ {B\left( {100,p} \right)|p \in \underbrace {\left[ {0,1} \right]}_\Theta } \right\}](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-c840c5b02bc6bdd847e5edd69e9dd760_l3.png)
: Parametermenge / Parameterbereich
Spezielle statistische Räume:
Ein statistischer Raum heißt:
-
parametrisch, wenn gilt:

-
diskret, wenn
höchstens abzählbar und 
-
stetig, wenn gilt:
, so dass
eine Borelsche Teilmenge des
ist und
die σ-Algebra der Borelschen Teilmengen von
ist und wenn
für jedes
stetig ist. -
Standardraum, wenn
diskret oder stetig ist.
Likelihood(funktion)
Mit der sog. Likelihood(funktion)
bezeichnet man (im diskreten Fall) die Zähldichte / Massefunktion / Wahrscheinlichkeitsfunktion bzw. (im stetigen Fall) die Lebesguedichte von
.
Entsprechend lautet zu
die Likelihood:

Es gilt 
wobei
das Zählmaß bzw. das Lebesguemaß ist.
Aufgaben:
1) Eine (eventuell unfaire) Münze mit unbekannter Wahrscheinlichkeit p für „Zahl“ wird 100-mal geworfen. X sei die Häufigkeit des Auftretens von „Zahl“
2) Ein Teich enthält eine unbekannte Zahl N von Fischen. Es werden W=50 Fische gefangen, mit einem weißen Fleck markiert und wieder ausgesetzt. Man wartet eine Weile, dann werden in einem zweiten Fischzug n=20 Fische gefangen und die Zahl Z der markierten Fische in diesem zweiten Fischzug ermittelt.
3) Der Diktator eines Schurkenstaates verfügt über N Panzer, die von 1 bis N durchnumeriert sind, wobei jedem Panzer entgegenkommenderweise seine Nummer aufgemalt wurde. Die alliierten Gegner des Diktators wollen Aufschluss über die ihnen unbekannte Zahl N erhalten. Zu diesem Zweck schießen sie n=8 Panzer ab und notieren deren Nummern.
4) entfällt
5) 1000 rein zufällig ausgewählte Wahlberechtigte (repräsentative Stichprobe) werden nach ihrer Einstellung gegenüber 5 Parteien P1, … , P5 befragt. Registriert wird der Zählvektor N = (N0,N1,N2,N3,N4,N5), wobei für i=1, … ,5 Ni = Anzahl der Anhänger von Pi, N0 = Anzahl der Befragten ohne Meinung.
6) X1, … , X12 seien die Reaktionszeiten von 12 Personen nach Einnahme einer gewissen Menge Alkohol, Y1, … , Y12 die Reaktionszeiten von weiteren 12 Personen, die keinen Alkohol zu sich genommen haben. Dabei seien X1, … ,X12,Y1, … ,Y12 unabhängig, X1, … ,X12 identisch verteilt mit (unbekannter) stetiger Verteilung QX, Y1, … ,Y12 identisch verteilt mit (unbekannter) stetiger Verteilung QY.
Lösungen
1)
Eine (eventuell unfaire) Münze mit unbekannter Wahrscheinlichkeit p für „Zahl“ wird 100-mal geworfen. X sei die Häufigkeit des Auftretens von „Zahl“
Daraus lässt sich nun aufstellen:
(unbekannt)

Menge der möglichen Ergebnisse:

wobei
.
Da
(die Menge der möglichen Ergebnisse) diskret ist, bekommen wir: 
Da es sich bei dem Versuch um einen Münzwurf, also einen Versuch mit zwei möglichen Ausgängen handelt, nutzen wir als
(Wahrscheinlichkeitsmaß / Verteilung von X) die Binomialverteilung
:
![Rendered by QuickLaTeX.com \mathcal{W}_x = \left\{ {B\left( {100,p} \right)|p \in \underbrace {\left[ {0,1} \right]}_\Theta } \right\}\qquad \left( { \Rightarrow \quad parametrisch} \right)](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-6e6b76e31c3557e94828ad26ba256994_l3.png)
Der Parameterbereich
erstreckt sich hierbei aufgrund der unbekannten Wahrscheinlichkeit von 0 bis 1.
Damit handelt es sich also um einen diskreten parametrischen Standardraum.
Die Likelihood(funktion) / Wahrscheinlichkeitsfunktion lautet hierbei:

2)
Ein Teich enthält eine unbekannte Zahl N von Fischen. Es werden W=50 Fische gefangen, mit einem weißen Fleck markiert und wieder ausgesetzt. Man wartet eine Weile, dann werden in einem zweiten Fischzug n=20 Fische gefangen und die Zahl Z der markierten Fische in diesem zweiten Fischzug ermittelt.
Z = Anzahl der markierten Fische im 2. Fischzug

wobei
.
Das Modell entspricht dem Ziehen von Kugel aus einer Urne mit N Kugel, von denen 50 weiß sind:

Damit handelt es sich also auch hierbei um einen diskreten parametrischen Standardraum.
3)
Der Diktator eines Schurkenstaates verfügt über N Panzer, die von 1 bis N durchnumeriert sind, wobei jedem Panzer entgegenkommenderweise seine Nummer aufgemalt wurde. Die alliierten Gegner des Diktators wollen Aufschluss über die ihnen unbekannte Zahl N erhalten. Zu diesem Zweck schießen sie n=8 Panzer ab und notieren deren Nummern.
In diesem Fall ist
nicht eine Menge die wie in den vorherigen Aufgaben aus einzelnen Elementen besteht, sondern eine Menge aus 8-elementigen Teilmengen:




Für
Gleichverteilung (d.h. alle Ereignisse gleichwahrscheinlich) auf der Menge aller 8-elementigen Teilmengen von
, also mit Likelihood:
mit 
Es handelt sich hier also um einen diskreten Standardraum.
Zur Erklärung der Likelihood (Bsp.: Urne):
In einer Urne befinden sich 4 Kugeln mit den Zahlen 1 – 4.
-
Die Anzahl der möglichen Ergebnisse beim Ziehen von 4 Kugeln beträgt
, nämlich
. Demnach hat dieses Ereignis die Wahrscheinlichkeit 1.
-
Die Anzahl der möglichen Ergebnisse beim Ziehen von 3 Kugeln beträgt
, nämlich
. Demnach hat jedes mögliche Ergebnis die Wahrscheinlichkeit:
.
-
Die Anzahl der möglichen Ergebnisse beim Ziehen von 2 Kugeln beträgt
, nämlich
. Demnach hat jedes mögliche Ergebnis die Wahrscheinlichkeit:
.
-
Bei den Panzern gilt nun, dass 8 Kugeln / Panzer aus N gezogen / getroffen werden. Die Anzahl der möglichen Ergebnisse liegt dann bei
und die Wahrscheinlichkeit für jedes Ergebnis beträgt:
5)
1000 rein zufällig ausgewählte Wahlberechtigte (repräsentative Stichprobe) werden nach ihrer Einstellung gegenüber 5 Parteien P1, … , P5 befragt. Registriert wird der Zählvektor N = (N0,N1,N2,N3,N4,N5), wobei für i=1, … ,5 , Ni = Anzahl der Anhänger von Pi, N0 = Anzahl der Befragten ohne Meinung.
Hier gilt das gleiche Prinzip wie in Aufgabe 1, allerdings diesmal im Mehrdimensionalen.
Wir haben einen gegeben Zählvektor:

Der zugehörige Wahrscheinlichkeitsvektor lautet:

Im Übrigen handelt es sich bei dem Modell um eine Multinomialverteilung:

Es gilt:




Damit handelt es sich hier also wieder um einen diskreten parametrischen Standardraum.
6)
X1, … , X12 seien die Reaktionszeiten von 12 Personen nach Einnahme einer gewissen Menge Alkohol, Y1, … , Y12 die Reaktionszeiten von weiteren 12 Personen, die keinen Alkohol zu sich genommen haben. Dabei seien X1, … ,X12,Y1, … ,Y12 unabhängig, X1, … ,X12 identisch verteilt mit (unbekannter) stetiger Verteilung QX, Y1, … ,Y12 identisch verteilt mit (unbekannter) stetiger Verteilung QY.
Der Beobachtungswert(vektor) besitzt somit 24 stetig verteilte Werte:




Es handelt sich hier zwar um einen stetigen Standardraum, jedoch ist er nicht parametrisch, da
nicht Teilmenge eines endlichen param. Vektorraumes ist.






