Eine zweistufige Trägerrakete, deren 1. Stufe ein Strukturverhältnis von
und eine effektive Austrittsgeschwindigkeit von
besitzt und deren 2. Stufe ein Strukturverhältnis von
und eine effektive Austrittsgeschwindigkeit
erreicht, soll so gestuft werden, dass sich mit einem Nutzlastverhältnis von
das größtmögliche Antriebsvermögen
ergibt. Wie groß ist
, und wie ist die Startmasse von
in die Anteile der Brennstoffmassen und Nettomassen der einzelnen Raketenstufen aufgeteilt?
Lösung
Gegeben:
Strukturverhältnis der Stufe 1: 
Effektive Austrittsgeschwindigkeit der 1. Stufe: 
Strukturverhältnis der Stufe 2: 
Effektive Austrittsgeschwindigkeit der 2. Stufe: 
Nutzlastverhältnis: 
Startmasse: 
Gesucht:
Größtmögliches Antriebsvermögen?
Massenaufteilung von Brennstoffmassen und Nettomassen der einzelnen Raketenstufen
Das Antriebsvermögen
einer einstufigen Rakete ist definiert als die Geschwindigkeitsänderung, die diese Rakete im kräftefreien Raum erfahren würde. Das Antriebsvermögen ist eine Funktion der effektiven Austrittsgeschwindigkeit
des Treibgases und des Masseverhältnisses
. Für chemische Raketen ist
auf ca.
begrenzt. Genauso kann das Masseverhältnis nicht beliebig groß gewählt werden, da die gesamte Rakete nicht nur aus Treibstoff bestehen kann (Triebwerke, Struktur, Steuerung, Nutzlast).
Wir können die Raketenmasse also aufteilen in

mit der Motorenmasse
, Strukturmasse
, Treibstoffmasse
und Nutzlastmasse
.
Damit wird:


wobei hier das Strukturmassenverhältnis

und das Nutzlastverhältnis

eingeführt werden. Der dimensionslose Faktor
variiert, je nachdem, ob es sich um sehr stark beschleunigte (militärische) Raketen oder um schwach beschleunigte (bemannte) Trägerraketen handelt, heute ungefähr zwischen 0,2 und 0,05. Er ist demnach vom Beschleunigungsvorgang der Rakete, dem technologischen Fortschritt der Leichtbauweise und auch von der Güte der Raketenkonstruktion abhängig. Je besser die Konstruktion, umso kleiner ist natürlich auch
.
Das Antriebsvermögen errechnet sich somit zu:

Das Stufenprinzip:
Für viele Anwendungen, also nicht nur für die Raumfahrt, war man bestrebt, Wege zu finden, um die Leistungsgrenze (oder die Antriebsvermögensgrenze) einer Rakete zu überschreiten, d.h. bessere Nutzlastverhältnisse
und größere Endgeschwindigkeiten oder Reichweiten zu erzielen. Zu diesem Zweck liegt es nahe, eine kleinere Rakete als „Nutzlast“ (Oberstufe) mit einer größeren Rakete (Unterstufe = 1. Stufe) auf deren Endgeschwindigkeit
zu beschleunigen, dann die Oberstufe von der leeren Unterstufe zu trennen und so die Endgeschwindigkeit der Oberstufe zu der der Unterstufe zu addieren. Dadurch wird das Antriebsvermögen der Unterstufe
zwar reduziert gegenüber einer einstufigen Rakete, doch jetzt ist das gesamte Antriebsvermögen durch die Summe

gegeben, mit dem Antriebsvermögen der Oberstufe
und der Startmasse der Oberstufe
. Es ist somit meist größer als der Höchstwert einer einzigen Stufe mit gleicher Nutzlast und Treibstoffmasse.
Das Grundprinzip jeder Raketenstufung besteht darin, unnötig gewordene Strukturmassen stufenweise abzuwerfen, um die Antriebsenergie möglichst zum Beschleunigen der notwendigen Nutzlastmasse zu verwenden. Dadurch wird der insgesamt erreichbare Nutzlastanteil oder das Nutzlastverhältnis
und die erreichbare Endgeschwindigkeit bzw. Reichweite wesentlich erhöht. Man unterscheidet dem Prinzip nach zwischen zwei Arten der Raketenstufung, die Stufung in Serie („Tandemstufung“) und die „Parallelstufung“.
Im klassischen Fall der Tandemstufung erfolgt die Stufung durch Übereinandersetzen von Raketen, wobei die Stufenmasse im allgemeinen von der Unterstufe zur Oberstufe hin abnimmt und die Oberstufe jeweils nach dem Abwurf der unteren Stufe aktiviert wird. Bezeichnen wir die Massen der einzelnen Raketenstufen mit
und die Nutzlastmasse mit
, so folgt die Gesamtmasse bzw. die Startmasse dieser n-stufigen Rakete zu
.
Die Masse einer Raketenstufe
kann wiederum aufgespalten werden in
,
wobei
die Strukturmasse,
die Motorenmasse und
die Treibstoffmasse der i-ten Raketenstufe darstellen. Die Nettomasse der i-ten Stufe, also nach Brennschluss und unter Voraussetzung, dass der gesamte Treibstoff dieser Stufe verbraucht wurde, ist

Die tatsächliche Masse der Rakete nach Brennschluss der i-ten Stufe ist jedoch

Und nach Abtrennung der unnötig gewordenen, leeren i-ten Stufe mit Brennschlussmasse
beträgt die Raketenmasse noch
.
Beispielsweise ist die nach Abtrennung der 1. Stufe noch vorhandene Raketenmasse
nach Abtrennung der 2. Stufe noch
, usw. Damit folgt allgemein unter Einführung der Begriffe der Unterraketen
(i=1, 2, …, n) für eine n-stufige Rakete das Antriebsvermögen als Summe der Antriebsvermögen aller Unterraketen:
1. Unterrakete (Startmasse): 
2. Unterrakete: 
k. Unterrakete: 
n. Unterrakete: 
Nutzlastmasse: 
Es ist also das Antriebsvermögen

Definieren wir nun für jede Raketenstufe
ein Strukturmassenverhältnis

ähnlich wie bei der einstufigen Rakete, nur dass jetzt die Summe aller Oberstufen plus der Nutzlastmasse die „Nutzlast“ der i-ten Unterrakete darstellt. Es ist also:

Wenn wie die Massen der Unterraketen
(i=1,2, n) auf die Startmasse
beziehen, folgt mit den Relativmassen

für das Antriebsvermögen der n-stufigen Rakete:



Für eine einstufige Rakete ist
,
und
zu setzen, so dass diese Formel in die bekannte Ziolkowsky-Gleichung übergeht.
Für eine n-stufige Rakete, bei der jede Stufe dieselbe Austrittsgeschwindigkeit
und dasselbe Massenverhältnis
hat, gilt:

oder

und

Das heißt, dass die Geschwindigkeitszunahme linear mit der Stufenzahl n zunimmt, während das Nutzlastverhältnis exponentiell mit n abnimmt.
Für die Aufgabe wurde also nun hergeleitet, dass für das Antriebsvermögen einer n-stufigen Rakete gilt:
In unserem Fall ist die Rakete zweistufig.

mit
und
erhalten wir:

Die weitere Aufgabenstellung beschäftigt sich mit der Stufenoptimierung, deren Aufgabe es ist, für eine bestimmte vorgegebene Mission mit Antriebsbedarf
und Nutzlastmasse
, die Massenaufteilung auf die einzelnen Raketenstufen so festzulegen, dass hierzu das benötigte Gesamtgewicht der Rakete minimal wird. Diese Optimierung wird erreicht, indem für einen vorgegebenen Antriebsbedarf
und vorgegebene effektive Austrittsgeschwindigkeit
der einzelnen Stufen
, sowohl die Zahl
der Raketenstufen als auch die Massenverhältnisse
so gewählt werden, dass das Nutzlastverhältnis
einen Maximalwert erreicht. Oder in anderer Formulierung, die jedoch zum gleichen Ziel führt, weil für beliebig gestufte Raketen mit stetig wachsendem
die charakteristische Geschwindigkeit stetig abnimmt, lautet die Optimierungsbedingung: Gesucht sind für ein gegebenes
die günstigste Stufenzahl n und die Massenaufteilungen
so, dass das Antriebsvermögen
bei gegebenem
ein Maximum erreicht.
Dabei werden die Strukturfaktoren
der einzelnen Stufen, die Funktionen der Beschleunigungsbelastungen, der Güte der Konstruktion, usw. sind und somit auch vom Stand der Leichtbauweise abhängen, als gegebene Konstanten vorausgesetzt. In der Praxis werden bei der Auslegung großer Raketen sehr viel differenziertere Überlegungen durchgeführt, die aber hier im Einzelnen nicht behandelt werden. Die hier aufgeführten Verfahren sind dazu nützlich, einen ersten Anhaltspunkt für einen optimalen Entwurf zu erhalten:
Der gesamte Antriebsbedarf

der zum Extremum gemacht werden soll, ist also eine Funktion von
mit
. Alle anderen Größen
und
sind bekannte Größen. Die Bedingung für das Extremum lautet somit:
![Rendered by QuickLaTeX.com \frac{\partial}{{\partial{\mu _i}}}\left[{\Delta v\left({{\mu _2},{\mu _3},\ldots,{\mu _n}}\right)}\right]=0](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-dcae0768da3085d140825eca54ba616c_l3.png)
Oder, weil nur die Terme (i-1) und i die Variable
enthalten:
![Rendered by QuickLaTeX.com \frac{\partial}{{\partial{\mu _i}}}\cdot\left[{-{c_{e,i-1}}\cdot\ln\left({{\sigma _{i-1}}+\frac{{{\mu _i}}}{{{\mu _{i-1}}}}}\right)-{c_{e,i}}\cdot\ln\left({{\sigma _i}+\frac{{{\mu _{i+1}}}}{{{\mu _i}}}}\right)}\right]=0](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-0a10199d5a21200125d7052160c2cb61_l3.png)
Für die Aufgabe ergibt sich:

Nach Differentiation und einiger Umformung erhalten wir schließlich die quadratischen Gleichungen für
in der Form

Bzw. für die Aufgabe ergibt sich:


Daraus ergibt sich für 

physikalisch unmöglich
Damit gilt: 
Damit ergibt sich ein maximales Antriebsvermögen
:

Aus der Startmasse
und Nutzlastverhältnis der zweiten Stufe
kann folglich die Gesamtmasse der Rakete in der zweiten Stufe
bestimmt werden:

Aus dem Strukturmassenverhältnis der zweiten Stufe
ergibt sich die Strukturmasse von Stufe 2:

Anschließend kann die Treibstoffmasse der zweiten Stufe
berechnet werden:

Dabei kann die Masse der Nutzlast
aus dem Nutzlastverhältnis
berechnet werden.
Für die erste Stufe ergibt sich die Strukturmasse analog zu Stufe 2 mit dem Strukturmassenverhältnis
:

Für die Treibstoffmasse der ersten Stufe
zieht man von der Startmasse der Rakete
die Gesamtmasse der zweiten Stufe
und die Strukturmasse der ersten Stufe
ab:

Allgemeiner gilt jedoch, wenn man auf die Herleitung verzichten will:

mit

und

Wobei
ist. Für eine zweistufige Rakete, wie hier in der Aufgabe erhält man somit die sog. Optimierungsbedingung zu:

Wobei:

Und:

Und damit:

Der Rest funktioniert dann wie oben.




Bei Bi befindet sich eine 2 unter dem Bruchstrich, die dort nicht hingehört.
Oh das war wohl ein Copy-Paste-Fehler. Habs korrigiert, danke für den Hinweis!
Hallo,
ich bedanke mich zuerst, dass das so etwas hier gemacht wird. ich muss eine Projekt machen, nähmlich eine 2 stufige Raketen Simulation mit Matlab. kann mir jemand helfen?
vielen Dank.
Wobei genau brauchst du denn Hilfe? Ohne eine Beschreibung deines Problems wird dir leider niemand helfen können.
zweistufige Rakete unter Matlab/Simulink. Ich muss zuerst die Bewegungsgleichung aufstellen und dann die analytische Lösung der Bewegungsgleichung (Differenzialgelichungen) unter Matlab/Simulink demonstireren.
Zur Herleitung der Bewegungsgleichung und für die analytische Lösung kann ich dir dieses Tutorial empfehlen. Falls du noch was Allgemeines zu Matlab brauchst, gibt es hier Übungsaufgaben mit Lösungen. Zur numerischen Lösung von Differentialgleichungen mit Matlab könntest du dich mal im Numerik für DGL Bereich umschauen. Mit Simulink kenne ich mich leider nicht aus.
Viel Erfolg!