Im letzten Artikel wurde der Unterschied zwischen der verschiedenen Arten der Dämpfung beschrieben. In diesem Artikel wird die schwache Dämpfung vertieft. Zunächst betrachten wir ein frei schwingendes (nicht angeregtes) gedämpftes System.
Die Bewegungsgleichung der schwingenden Masse lässt sich wie folgt anschaulich herleiten:
Für

gilt

Es muss also eine negative Wurzel berechnet werden und die Eigenwerte werden konjugiert komplex:

Wir führen die Größe der Eigenkreisfrequenz des gedämpften Systems ein und setzen

Offenbar unterscheiden sich die Eigenkreisfrequenz des ungedämpften und des gedämpften Systems bei sehr geringer Dämpfung kaum.
Wir setzen nun in den Ansatz

ein und überlagern die beiden speziellen Lösungen durch Addition zur allgemeinen Lösung:


Unter Verwendung der Eigenkreisfrequenz des gedämpften Systems:


Wir formen mit den Eulerformeln um:
![Rendered by QuickLaTeX.com x\left( t \right) = e^{-\delta t} \left( {B_1 \left[ {\cos \left( {\omega _d t} \right)+i\sin \left( {\omega _d t} \right)} \right]+B_2 \left[ {\cos \left( {\omega _d t} \right)-i\sin \left( {\omega _d t} \right)} \right]} \right)](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-ebaf52b46845e1cb5694b715bc5054a3_l3.png)
![Rendered by QuickLaTeX.com x\left( t \right) = e^{-\delta t} \left[ {\left( {B_1 +B_2 } \right)\cos \left( {\omega _d t} \right)+\left( {B_1 -B_2 } \right)i\sin \left( {\omega _d t} \right)} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-f058796c1943ce5b48ad81d3eec8ff6b_l3.png)
Nun setzen wir für die zwei realen Konstanten E1 und E2:

und erhalten durch Einsetzen
![Rendered by QuickLaTeX.com x\left( t \right) = e^{-\delta t} \left[ {\left( {E_1 +iE_2 +E_1 -iE_2 } \right)\cos \left( {\omega _d t} \right)+\left( {E_1 +iE_2 -E_1 +iE_2 } \right)i\sin \left( {\omega _d t} \right)} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-d2e14cb21a04d156357e21c33cfbe878_l3.png)
![Rendered by QuickLaTeX.com x\left( t \right) = e^{-\delta t} \left[ {2E_1 \cos \left( {\omega _d t} \right)+2E_2 ii\sin \left( {\omega _d t} \right)} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-1913bec7dafa426a1750b5550c98b163_l3.png)
![Rendered by QuickLaTeX.com = e^{-\delta t} \left[ {2E_1 \cos \left( {\omega _d t} \right)-2E_2 \sin \left( {\omega _d t} \right)} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-064b41c17f87a4076cf0f583622b356d_l3.png)
Als letzten Schritt ersetzen wir die Konstanten E durch die Konstanten C, wobei wir definieren:

einsetzen:
![Rendered by QuickLaTeX.com x\left( t \right) = e^{-\delta t} \left[ {C_1 \cos \left( {\omega _d t} \right)+C_2 \sin \left( {\omega _d t} \right)} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-27c89829ea3e04caa6f7f80624c50c26_l3.png)
Wir haben nun die Bewegungsfunktion der Masse hergeleitet. Der Ausdruck in der eckigen Klammer beschreibt eine harmonische Schwingung. Die Amplitude der Schwingung wird durch die e-Funktion vor der Klammer immer kleiner.
Die Bewegungsfunktion kann alternativ mit der Amplitude A und dem Nullphasenwinkel φ0 darstellen:

Die Funktion

ist für jeden beliebigen Nullphasenwinkel die Einhüllende. Die Schwingung ist zwar nicht periodisch, hat aber Nullstellen, Maxima und Minima in äquidistanten Abständen auf der Zeitachse, man spricht von einer quasiperiodischen oder quasiharmonischen Schwingung mit

als Quasi-Periodendauer
Anfangsbedingungen
Die Integrationskonstanten C1 und C2 müssen mit Hilfe von Anfangsbedingungen bestimmt werden. Im Allgemeinen gilt:

Wir setzen die Bewegungsgleichung gleich 0:
![Rendered by QuickLaTeX.com x\left( 0 \right) = e^{0 \cdot \left( {-\delta } \right)} \left[ {C_1 \cos \left( {0 \cdot \omega _d } \right)+C_2 \sin \left( {0 \cdot \omega _d } \right)} \right] = x_0](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-c9799c935e149cd3f61a9ec96e01673a_l3.png)

Für die andere Integrationskonstante brauchen wir die Ableitung der Bewegungsgleichung:
![Rendered by QuickLaTeX.com \dot x\left( t \right) = -\delta e^{-\delta t} \left[ {C_1 \cos \left( {\omega _d t} \right)+C_2 \sin \left( {\omega _d t} \right)} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-4730cbddf771a0c8dd77295b631f9d77_l3.png)
![Rendered by QuickLaTeX.com +e^{-\delta t} \left[ {-C_1 \omega _d \sin \left( {\omega _d t} \right)+C_2 \omega _d \cos \left( {\omega _d t} \right)} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-0076627c523766cd18f448c1c7746666_l3.png)
![Rendered by QuickLaTeX.com \dot x\left( 0 \right) =-\delta e^{-\delta \cdot 0} \left[ {C_1 \cos \left( {\omega _d \cdot 0} \right)+C_2 \sin \left( {\omega _d \cdot 0} \right)} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-6bef6c8c5f4f41b78d94ff5e2cbded07_l3.png)
![Rendered by QuickLaTeX.com +e^{-\delta \cdot 0} \left[ {\omega _d \left\{ {-C_1 \sin \left( {\omega _d \cdot 0} \right)+C_2 \cos \left( {\omega _d \cdot 0} \right)} \right\}} \right] = v_0](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-135b38b410b6caf8efac7768c95be0a1_l3.png)
![Rendered by QuickLaTeX.com -\delta \left[ {C_1 } \right]+\left[ {\omega _d \left\{ {C_2 } \right\}} \right] = v_0 \quad \quad \Rightarrow \quad \quad -\delta C_1 +\omega _d C_2 = v_0 \quad \quad \Rightarrow \quad \quad C_2](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-c72620c0c409139f9459d49bfe3eaaa7_l3.png)

Eingesetzt in die Bewegungsfunktion:
![Rendered by QuickLaTeX.com x\left( t \right) = e^{-\delta t} \left[ {C_1 \cos \left( {\omega _d t} \right)+C_2 \sin \left( {\omega _d t} \right)} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-27c89829ea3e04caa6f7f80624c50c26_l3.png)
![Rendered by QuickLaTeX.com = e^{-\delta t} \left[ {x_0 \cos \left( {\omega _d t} \right)+\frac{{v_0 +\delta x_0 }} {{\omega _d }}\sin \left( {\omega _d t} \right)} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-42b6698b9b7a00ce2addd447d1c6aa1b_l3.png)
Man kann die Integrationskonstanten auch für die alternative Bewegungsgleichung (mit dem Nullphasenwinkel) herleiten. Man erhält dann:


Das logarithmische Dekrement
Das Abklingverhalten gedämpfter Schwingungen lässt sich durch die Abnahme der Amplitude innerhalb der Quasiperiodendauer Td beschreiben.
Mit der Nullphasendarstellung der Bewegungsgleichung gilt zu einem beliebigen Zeitpunkt

und eine volle Schwingung später

Mit

wird daraus



Umstellen:


Vorzeichentausch kehrt auch den Bruch im Logarithmus um:

Wir definieren nun das logarithmische Dekrement:

Alternative Möglichkeit zur Berechnung:

Mit dieser Beziehung kann die Systemkonstante δ aus der aufgezeichneten Bewegungskurve des Schwingvorganges erschlossen werden. Sie gilt für beliebige Auslenkungen im zeitlichen Abstand Td, wird aber meistens auf die Maxima oder Minima angewendet.
Mit dem Dämpfungswinkel θ ausgedrückt:

Dabei wurden die folgenden Zusammenhänge genutzt:





