Im Artikel über angeregte Schwingungen bei schwacher Dämpfung haben wir die Bewegungsgleichung der schwingenden Masse bestimmt:
![Rendered by QuickLaTeX.com x_p = \frac{{\frac{{\hat F}} {m}}} {{\left( {\omega _1^2 -\Omega ^2 } \right)^2 +\left( {2\delta \Omega } \right)^2 }}\left[ {\left( {\omega _1^2 -\Omega ^2 } \right)\cos \Omega t+2\delta \Omega \sin \Omega t} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-7348375bd564b94f431c23c09b942955_l3.png)
Oder vereinfacht:
![Rendered by QuickLaTeX.com x_p = K\left[ {D\cos \Omega t+E\sin \Omega t} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-dbeabb5fa898ea7f462b80552316ce96_l3.png)
Von dieser Funktion suchen wir nun die Amplitude, also die Maxima.
Dies ließe sich mit einer Kurvendiskussion lösen, wir müssten also die Funktion ableiten, die Ableitung gleich 0 setzen, nach t auflösen und die gefundene Extremstelle in die Funktion für x einsetzen.
Da uns die Position der Maxima aber nicht interessiert, sondern nur die Höhe, nutzen wir einen wichtigen trigonometrischen Zusammenhang: Das Maximum einer Funktion mit dem Aufbau

beträgt:

Hier ein Beispiel:

rot: 3 sin x
gelb: 4 cos x
blau: 3 sin x+4 cos x
Die Sinusfunktion hat Maxima der Höhe 3, die Cosinusfunktion hat Maxima der Höhe 4.
Die Maxima der Summenfunktion haben die Höhe

Angewendet auf unsere Schwingungsfunktion:
![Rendered by QuickLaTeX.com x_p \left( t \right) = K\left[ {D\cos \Omega t+E\sin \Omega t} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-d596b1c18de70e96a916adf5cbe9dc90_l3.png)

Wenn man die Konstanten ausführlich schreibt, wird dies zu

Man kann nun das Verhältnis von Erregerkreisfrequenz und Eigenkreisfrequenz sowie den Dämpfungskoeffizienten als Parameter einer Funktion für die Amplitude nutzen. Hierfür formen wir die Gleichung für die maximale Auslenkung ein wenig um:

Wir nutzen den Zusammenhang

und erhalten

Nun ziehen wir noch die Eigenkreisfrequenz in die Wurzel:

mit dem Kennverlustfaktor

erhalten wir schließlich

Für den Quotienten kann man schreiben:

Graph der Funktion

Die Einzelheiten sieht man besser in der zweidimensionalen Version:

- Bei einer Erregerkreisfrequenz von 0 bleibt das System bei einer statischen Auslenkung (F-Dach / c) stehen
- Die Maxima der Amplitude sind nicht bei η = 1, sondern wandern mit steigendem δ nach links
- Bei einer Erregerkreisfrequenz, die viel höher als die Eigenkreisfrequenz des Systems ist, schwingt das System nicht mehr, die Amplitude geht gegen 0 (das System kann sich nicht schnell genug bewegen)
Jede Anregung bringt eine Phasenverschiebung.
Bei Resonanz ist die Phasenverschiebung unabhängig vom Kennverlustfaktor immer 90°, oberhalb der Resonanz geht sie gegen 180°.
Für die Phasenverschiebung zwischen der Erregerschwingung und der Systemschwingung gilt (ohne Herleitung):

Wir erweitern und vereinfachen anschließend:

Mit dem Quotienten der Kreisfrequenzen als η geschrieben:

Wir können damit die Bewegungsgleichung in der Amplitudenform darstellen:

Graph der Phasenverschiebung in Abhängigkeit von η und d0:



