Gegeben sind die kugelförmigen Ladungsverteilungen a, b und c mit einer gleichmäßigen Ladungsdichte
. Der Außenradius der Verteilungen ist
, der Radius der ladungsfreien Hohlräume (bei b und c) ist
. Berechnen Sie mit Hilfe des Gauß’schen Satzes das elektrische Feld für die Bereiche
.
Hinweis: Lösen Sie die Probleme b) und c) durch Überlagerung von zwei Kugeln mit positiver und negativer Ladung.

Lösung
Das elektrische Feld ordnet jedem Raumpunkt die richtungsabhängige Größe der elektrischen Feldstärke
zu. Diese ist definiert durch die Kraft
, die auf eine in dem Punkt befindliche Ladung
wirkt:
![Rendered by QuickLaTeX.com \vec E = \frac{{\vec F}} {q}\quad \quad \to \quad \left[ {\vec E} \right] = \frac{{kg \cdot m}} {{s^3 \cdot A}} = \frac{N} {C}](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-b33854fd390763c57451c85cc75db0e8_l3.png)
Definition des elektrischen Flusses:

integriert:

Der Satz von Gauß stellt einen Zusammenhang zwischen der Divergenz eines Vektorfeldes und dem durch das Feld vorgegebenen Fluss durch eine geschlossene Oberfläche her. Er besagt, dass das Volumenintegral der Ladungsdichte über ein Volumen gleich dem Flächenintegral der Verschiebungsdichte über der Oberfläche von dem Volumens ist:

Bei dem Volumen handelt es sich hier um eine Kugel mit dem variablen Radius
, wir bilden also das Volumenintegral. Auf Grund der Symmetrie berechnen wir nur das Volumen einer Achtelkugel und multiplizieren das Ergebnis mit 8:

(für eine genauere Beschreibung des Volumenintegrals einer Kugel siehe diesen Artikel)
Nun lösen wir das Integral teilweise auf:


Nun kümmern wir uns um die rechte Seite. Es handelt sich bei dem Körper um eine Kugel, also um ein Symmetrieobjekt. Das elektrische Feld einer punkt- oder kugelförmigen Quelle ist ein Radialfeld und läuft geradlinig nach außen. Somit steht es senkrecht auf der Kugeloberfläche (bzw ist parallel zum Normalenvektor der Oberfläche). Wegen dieser Parallelität ist das Skalarprodukt von
und
gleich dem Betragsprodukt
. Die skalare Feldstärke ist dann überall auf der Oberfläche der Kugel gleich und nicht von der Position abhängig. Das
kann also vor das Integral gezogen werden.
Die elektrische Feldkonstante
ist die physikalische Konstante, die im internationalen Einheitensystem die SI-Einheit der Ladung (Coulomb) mit den mechanischen Einheiten in Beziehung setzt:

Die Konstante
kann also auch vor das Integral gezogen werden:


Wir setzen nun für A die Formel für die Oberfläche der Kugel mit dem Radius x ein:

kürzen:

Hiermit können wir nun die drei gegebenen Fälle berechnen.
a )
Bereich 1: 
Wir nutzen den oben erarbeiteten Ansatz:

Auf der linken Seite haben wir das, was aus dem Volumenintegral der Ladungsdichte über der Kugel mit dem Radius
geworden ist. Auf der rechten Seite steht das, was aus dem Flächenintegral der Verschiebungsdichte über der Oberfläche der Kugel geworden ist.
Bevor wir nun aber integrieren, müssen wir eins beachten: Wenn wir das Volumenintegral der Ladungsdichte auflösen, dann haben wir eigentlich als Integrationsgrenze das
, nämlich den Radius der Kugel (die Entfernung zum Ursprung). Allerdings wird die Ladungsdichte schon ab dem Außenradius
der Kugel zu null:

Es kommt also im Bereich von
bis
nichts mehr zu dem Ergebnis hinzu. Daher müssen wir die Integrationsgrenze auf
ändern:

Wir lösen das Integral auf:

und stellen nach dem gesuchten
um:

Die Feldstärke fällt also außerhalb der Kugel proportional zum Quadrat der Entfernung
zum Ursprung ab.
Bereich 2: 
Wir beginnen mit dem gleichen Ansatz:

Hier können wir wirklich bis
integrieren, da
ja innerhalb der Kugel liegt:


Umstellen nach
:

Die Feldstärke steigt also linear mit dem Abstand
zum Ursprung des Koordinatensystems.
b )
Bereich 1: 
Hier entsteht eine weitere Schwierigkeit durch den ladungsfreien Raum in der Mitte der Ladungsverteilung. Wir beginnen mit der Betrachtung bei dieser Teilaufgabe im inneren dieses Freiraumes.
Um das Problem zu vereinfachen, gehen wir wieder von einer homogenen Ladungsverteilung in Form einer Vollkugel aus. Um nun das “Nichts” in der Mitte zu erzeugen, muss diese Ladungsverteilung durch eine entgegengesetzt gleich starke (auch in Form einer Kugel) überlagert werden.
Wenn sich nun aber die beiden gleich großen Ladungen überlagern, dann überlagert sich auch die von der einen Ladungs hervorgerufene Feldstärke mit der gleichgroß entgegengesetzten Feldstärke der anderen Ladung. Es ergibt sich eine Feldstärke von 0 für Bereich 1.
Bereich 2: 

Wir betrachten nun den Bereich der positiven Ladungsverteilung. Auch hier überlagern sich positive und negative Feldstärken, allerdings überwiegt die durch die positive Ladung hervorgerufene, da diese bei gleicher Ladungsdichte ein größeres Volumen hat als die der negativen.
Um dies zu realisieren, verwenden wir den gleichen Ansatz wie schon in Teilaufgabe a ):

Die rechte Seite bleibt unverändert, da sich durch das “Loch” im Inneren der Kugel nichts an ihrer Oberfläche ändert.
Die links Seite muss geändert werden, da zu der normalen positiven noch die überlagernde negative Ladung hinzukommt. Wir berechnen die resultierenden Feldstärken einzeln:
positive Ladungsverteilung, die bis zum variablen Radius x reicht:



negative Ladungsverteilung, die nur bis zum festen inneren Radius R/2 reicht:



Summe der beiden sich ungestört überlagernden Feldstärken:


Bereich 3: 
Im letzten Schritt betrachten wir den Bereich außerhalb beider kugelförmigen Ladungsverteilungen. Der Ansatz ist wieder:

Wie schon in der letzten Teilaufgabe teilen wir das Problem auf und berechnen einzeln die beiden aus der positiven bzw negativen Ladungsverteilung resultierenden Feldstärken. Hierbei können wir nun beide Kugeln bis zu ihrem jeweiligen festen äußeren Radius integrieren, da beide Kugeln komplett in der Kugel mit dem betrachteten Radius
enthalten sind:
positive Ladungsverteilung, die bis zum festen äußeren Radius R reicht:



negative Ladungsverteilung, die nur bis zum festen inneren Radius R/2 reicht:



Summe der beiden sich ungestört überlagernden Feldstärken:


c )
Bei dieser dritten Teilaufgabe liegen die Kugeln nicht mehr mittig ineinander. Statt dessen ist die negative Kugel um
nach links verschoben. Dadurch entstehen mehr Bereiche, die wir betrachten müssen. Wir beginnen ganz rechts, außerhalb der Kugeln, und arbeiten uns nach ganz links (wieder bis außerhalb der Kugeln) vor.
Bereich 1: 
positive Ladungsverteilung, die bis zum festen äußeren Radius R reicht:



negative Ladungsverteilung, die nur bis zum festen inneren Radius R/2 reicht:
Hier müssen wir beachten, dass die Kugel verschoben ist. Wir müssen also beim Punkt
das Volumenintegral der Ladungsdichte über der verschobenen Kugel gleich dem Flächenintegral der Verschiebungsdichte über der Oberfläche der großen verschobenen Kugel mit dem variablen Radius
setzen:


An der linken Seite ändert sich durch die Verschiebung nichts, denn das Volumen bleibt ja gleich:


Nach
umstellen:

Summe der beiden sich ungestört überlagernden Feldstärken:

Bereich 2: 
Wir verfahren mit der verschobenen Kugel analog zum ersten Bereich.
positive Ladungsverteilung, die bis zum variablen Radius x reicht:



negative Ladungsverteilung, die nur bis zum festen inneren Radius R/2 reicht:
Da die negative Kugel komplett links vom Ursprung liegt, ist sie im Bereich
immer komplett in der Betrachtung enthalten:

Die negative Feldstärke entspricht also der vom ersten Bereich:

Summe der beiden sich ungestört überlagernden Feldstärken:

Bereich 3: 
positive Ladungsverteilung, die bis zum variablen Radius x reicht:
Aufgrund der Symmetrie ist die Feldstärke der positiven Ladungsverteilung genauso groß wie im zuvor bearbeiteten Bereich:

negative Ladungsverteilung:
Die negative Ladungsverteilung erstreckt sich über die gesamte linke Hälfte der positiven. Bei der Berechnung müssen wir jedoch beachten, dass sie um -R/2 verschoben ist. Deswegen ist nicht ihr ganzes Volumen zu betrachten:




Summe der beiden sich ungestört überlagernden Feldstärken:

Bereich 4: 
In diesem letzten Bereich kommen wieder beide Ladungsverteilungen komplett zur Geltung.
positive Ladungsverteilung, die bis zum festen äußeren Radius R reicht:



negative Ladungsverteilung, die nur bis zum festen inneren Radius R/2 reicht:
Wir beachten die Integrationsgrenzen:



Summe der beiden sich ungestört überlagernden Feldstärken:




