Die beiden Träger A) und B) sollen hinsichtlich ihres Torsionsverhaltens untersucht werden.
Träger A) ist als einzelliger Querschnitt, Träger B) als dreizelliger Querschnitt ausgebildet. Die Einspannung ist als Gabellagerung (Verwölbung zugelassen) ausgeführt, weshalb es sich um ein St. Venantsches Torsionsproblem handelt.

Gegeben: Schubmodul G, Wandstärke t, a, l, M
1.) Berechnen Sie
a) die Torsionssteifigkeiten
b) die Schubflüsse
c) die Verdrehwinkel der beiden Träger
2.) Welche Bauweise ist unter Leichtbaugesichtspunkten sinnvoller?
Lösung
1.) a) Berechnung der Torsionssteifigkeiten
Bauweise A:
Der Querschnitt dieses Trägers ist einfach geschlossen.
(2. Bredtsche Formel)

: Umschlossene Fläche
: Umfang
Es gilt nun:




Bauweise B:
Hierbei handelt es sich um einen mehrfach geschlossenen Querschnitt:

: Umschlossene Fläche
: Schubflüsse
: Verdrillungen
: unbekannte, die wir durch ein Gleichungssystem berechnen müssen und aus der wir anschließend die Schubflüsse berechnen können.
Nun legen wir zunächst willkürlich eine Umlaufrichtung für den Schubfluss fest:

Zu beachten ist bei diesem Querschnitt übrigens, dass sich der Schubfluss im Steg zwischen zwei Zellen aus den Schubflüssen der jeweiligen benachbarten Zellen zusammensetzt.
Es gilt:
Eingesetzt erhalten wir für somit 3 Gleichungen mit insgesamt 3 Unbekannten:
Zelle 1: 
Zelle 2: 
Zelle 3: 
Dieses Gleichungssystem können wir auch als Matrix darstellen und anschließend auflösen.
Dazu multiplizieren wir die Gleichungen noch mit Gt und teilen durch a:
Zelle 1: 
Zelle 2: 
Zelle 3: 
In Matrizendarstellung:
![Rendered by QuickLaTeX.com \left[ {\begin{array}{*{20}{c}} 6 & {-2} & 0 \\ {-2} & {12} & {-2} \\ 0 & {-2} & 6 \\ \end{array} } \right]\left\{ {\begin{array}{*{20}{c}} q_1 ^* \\ {q_2 ^* } \\ {q_3 ^* } \\ \end{array} } \right\} = \left\{ {\begin{array}{*{20}{c}} 4 \\ {16} \\ 4 \\ \end{array} } \right\}Gta](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-994e82cdec4876ebfb6be4d820d90405_l3.png)
Nun lösen wir das Gleichungssystem mit Hilfe der Cramerschen Regel:

Die Matrix Ai entsteht aus der Koeffizientenmatrix, indem die i-te Spalte durch die rechte Seite des Gleichungssystems ersetzt wird.
Die Determinante können wir über die Regel von Sarrus berechnen:



![Rendered by QuickLaTeX.com = \left[ {4 \cdot 12 \cdot 6+\left( {-2} \right) \cdot \left( {-2} \right) \cdot 4+0-0-\left( {-2} \right) \cdot \left( {-2} \right) \cdot 4-6 \cdot 16 \cdot \left( {-2} \right)} \right]Gta](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-06f86bb963ecd21d315fff925490c290_l3.png)

![Rendered by QuickLaTeX.com \det \left( {A_2 } \right) = \left| {\begin{array}{*{20}{c}} 6 & 4 & 0 \\ {-2} & {16} & {-2} \\ 0 & 4 & 6 \\ \end{array} } \right|Gta = \left[ {6 \cdot 16 \cdot 6+0+0-0-4 \cdot \left( {-2} \right) \cdot 6-6 \cdot \left( {-2} \right) \cdot 4} \right]Gta](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-f04bfce40d75f609a6f7d002c846a147_l3.png)


Daraus folgt:


Somit gilt für die Torsionssteifigkeit des Trägers B:
![Rendered by QuickLaTeX.com GI_T ^B = 2\sum\limits_{i = 1}^n {q_i^* A_{Ui} } = 2 \cdot \left[ {2 \cdot \left( {1,25\:Gta \cdot 2a^2 } \right)+1,75\:Gta \cdot 8a^2 } \right] = \underline{\underline {38Gta^3 }}](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-bfedd8fa6a3f8aae037335666df0d963_l3.png)
b) Schubflüsse
Bauweise A:
(1. Bredtsche Formel)


Bauweise B:
Aus den
können wir nun die
bestimmen:

: Verdrillung


Grafisch sieht der Schubflussverlauf wie folgt aus:

c) Verdrehwinkel
Bauweise A: 
Bauweise B: 
2) Welche Bauweise ist unter Leichtbaugesichtspunkten sinnvoller?
Zur Erhöhung der Torsionssteifigkeit ist Bauweise B ungeeignet, da ein relativ hoher
Materialaufwand nur eine geringfügige Erhöhung der Torsionssteifigkeit bewirkt. (Um gerade mal 10,66%)
Fertig!


