Zum Längenausgleich einer Gelenkwelle aus E335 ist ein Keilwellenprofil nach DIN ISO 14
vorgesehen. Es muss eine Drehmomentspitze von
sicher aufnehmen können, ferner muss von extrem stoßartigem Betrieb mit wechselnder Drehrichtung ausgegangen werden. Die Keilnabe ist aus Stahlguss GS-60 hergestellt.
10.1 Dimensionieren Sie den Wellenzapfen unter der Annahme, dass dieser überwiegend auf Torsion beansprucht wird.
10.2 Wählen Sie ein geeignetes Keilwellenprofil aus und legen Sie die erforderliche Nabenlänge fest.
Lösung
10.1 Dimensionierung des Wellenzapfens unter Torsionsbeanspruchung
Die Dimensionierung des Wellenzapfens erfolgt auf die gleiche Weise wie es schon in den Aufgaben zuvor gemacht wurde. Für den erforderlichen Wellendurchmesser unter Torsionsbelastung gilt:
![Rendered by QuickLaTeX.com d_{erf}^\prime = \sqrt[3]{{\frac{{16{M_t}}}{{\pi \cdot {\tau _{zul}}}}}}](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-f938624dcdb46e19cc64d880fbaa59a3_l3.png)
Das Torsionsmoment ist lauf Aufgabenstellung
. Für die zulässige Torsionsspannung gilt:

Für den Werkstoffkennwert
betrachten wir folgende Tabelle mit Werkstoffeigenschaften:

Für das Material
ergibt sich ein Wert von 
Die Sicherheit bei dynamisch wechselnder Torsionsbeanspruchung liegt im Intervall
. Sicherheitshalber rechnen wir hier mit dem größten Wert, also
.
Da in der Welle keine Kerben vorhanden sind, ist
.
In die Formel für die zulässige Torsionsspannung eingesetzt ergibt sich:

Dies setzen wir in die Formel für den minimalen Wellendurchmesser ein:
![Rendered by QuickLaTeX.com d_{erf}^\prime = \sqrt[3]{{\frac{{16{M_t}}}{{\pi \cdot {\tau _{zul}}}}}} = \sqrt[3]{{\frac{{16 \cdot 1750 \cdot {{10}^3}Nm}}{{\pi \cdot 36\frac{N}{{m{m^2}}}}}}} = 63mm](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-ead822e441174786dc089ac338c0ad88_l3.png)
Anschaulich sieht das Profil folgendermaßen aus:

10.2 Auswahl des geeigneten Keilwellenprofils
Eine Keilwellenverbindung sieht skizziert wie folgt aus:

Der Durchmesser
nimmt den Zapfen in der Skizze mit. Da wir es mit einer extrem stoßartigen Bewegung zu tun haben, wählen wir eine Flankenzentrierung, die den Belastungen eher gewachsen ist.
Wir haben bestimmt:

Wir schauen in die Tabelle mit Keilwellenprofilen nach etwas Vergleichbarem:

mit einer mittleren Reihe und
ist

Für die erforderliche Nabenlänge muss zunächst die erforderliche tragende Länge bestimmt werden. Die Formel hierzu lautet:

Dabei stehen die Variablen für: Torsionsmoment
, mittlerer Wellendurchmesser
, Anzahl der Elemente
, Traganteil
, Traghöhe
, W und zulässige Flächenpressung
.
Nun müssen wir alle in der Formel vorkommenden Größen bestimmen! Das Torsionsmoment ist lauf Aufgabenstellung
. Für den mittleren Profildurchmesser gilt:

Die Anzahl der Elemente ist
. Der Traganteil
ist bei einer Flankenzahnung laut Vorlesung
. Die Traghöhe bestimmen wir mit der Formel:

Für die zulässige Flächenpressung der Nabe aus dem Material
betrachten wir die Tabelle:

Der Sicherheitsfaktor wird auf 3 erhöht.
Die zulässige Flächenpressung der Welle aus dem Material
ist:

Die Nabe ist also schwächer, wir rechnen mit dem Wert
weiter.
Wir setzen die Werte alle in die Formel für die tragende Länge ein:

Für die Nabenlänge gilt allgemein:
mit
.
Die Länge der Nabe muss also im Intervall
liegen. Das berechnete Intervall entspricht etwa einer Nabe der Länge
. Damit ergibt sich eine Normbezeichnung des Keilwellenprofils:
(flankenzentriert).



Laut Vorlesung liegt der Traganteil für Flankenzentrierung bei 0,9 und nicht bei 0,75.
Fehlt bei der Berechnung der zulässigen Torsionsspannung nicht der Betriebsfaktor für extrem stoßartig 2…3 ?
@ Schlaumeier:
Danke für den Hinweis, ich habe den Fehler behoben.
@ Aufmerksamer Leser:
Laut Seminarübung gibt es bei der Berechnung von Keilwellen keinen Betriebsfaktor. Die extrem stoßartige Belastung haben wir hier mit der Erhöhung der Sicherheit auf 3 berücksichtigt.
Bei der Sicherheit S_D handelt es sich nicht um die Sicherheit gegen Knicken, da wir ja schließlich eine reine Torsionsbelastung haben. Es handelt sich (siehe “Tabellen und Diagramme 1.8″) um einen Erfahrungswert zur Berechnung der zulässigen Spannung zur Dimensionierung dynamisch Beanspruchter Bauteile. Da bei der Dimensionierung der Wellendurchmesser im Voraus nicht bekannt ist, lässt sich die zulässige Spannung nicht wie bei der Nachrechnung über die Gestaltfestigkeit berechnen (zumal der Durchmesser die entscheidende Bezugsgröße für die Ermittlung der Korrekturfaktoren ist). Daher berücksichtigt der Erfahrungswert nach 1.8 (immer bei der Dimensionierung dyn. beanspr. Bauteile ) bereits alle Einflüsse. Der Betriebsfaktor muss dementsprechend bei einer Dimensionierung nicht nur bei Keilwellen nicht berücksichtigt werden.
Stimmt, habs geändert. Damals gab es die Formelsammlung noch nicht, da war das alles ein bisschen schwammig^^
Muss bei der Berechnung der zulässigen Flächenpressung für die Nabe der Sicherheitswert nicht um den Faktor 3 statt auf 3 erhöht werden. ( “SF (SB) sind zu erhöhen [...] um Faktor [...]) Beziehungsweise für eine unter Last verschiebbare Nabe sogar um den Faktor 6. Also liegt die Mindestsicherheit bei 2,7*6=16,2. Oder habe ich da etwas falsch verstanden.
Die Radnabe ist aber nicht verschiebbar, weder ohne noch mit Last. Es wurde also nur die 3 aus dem Intervall 2,7…3,6 für wechselnd stoßhafte Belastung (siehe Aufgabenstellung) ausgewählt. Ist wohl etwas irreführend formuliert.