Beispiel 1.9 – Sigma-Algebra (!)

Sei Ω eine überabzählbare Menge und <br />
A \in \mathcal{F}<br />
genau dann, wenn A oder A^c abzählbar ist. Zeigen Sie, dass <br />
\mathcal{F}<br />
eine σ-Algebra ist.

Lösung

Ω ist überabzählbar

<br />
\mathcal{F}: = \left\{ {A \subseteq \Omega |\left| A \right|\:ist\:abz\ddot ahlbar\:oder\left| {A^c } \right|\:ist\:abz\ddot ahlbar} \right\}<br />
Heißt also, A ist dann in <br />
\mathcal{F}<br />
, wenn A selbst oder aber sein Komplement abzählbar sind.

Um nun zu zeigen, dass es sich bei <br />
\mathcal{F}<br />
tatsächlich um eine σ-Algebra handelt, müssen wir überprüfen, ob die 3 Bedingungen, die für eine σ-Algebra gelten müssen, erfüllt sind.

1)

Es muss gelten: <br />
\Omega  \in \mathcal{F}<br />

Nach Vorraussetzung gilt, dass eine Menge dann in <br />
\mathcal{F}<br />
ist, wenn sie selbst oder aber ihr Komplement abzählbar ist.

Ω ist überabzählbar

Ihr Komplement dagegen ist <br />
\Omega ^c  = \emptyset<br />
= abzählbar.

Daher ist Ω selbst also auch in <br />
\mathcal{F}<br />
enthalten.

2)

Es muss die Bedingung gelten: <br />
A \in \mathcal{F} \Rightarrow A^c  \in \mathcal{F}<br />

Heißt also, wenn A in <br />
\mathcal{F}<br />
ist, so muss daraus folgen, dass auch sein Komplement in <br />
\mathcal{F}<br />
ist.

Sei also <br />
A \in \mathcal{F}<br />
, dann können wir genau 2 Fälle unterscheiden:

1. Fall: A ist abzählbar

Es gilt: <br />
A = \left( {A^c } \right)^c  = abz\ddot ahlbar<br />

Wie wir wissen, ist eine Menge in <br />
\mathcal{F}<br />
, wenn sie selbst oder ihr Komplement abzählbar ist. A^c muss also auch in <br />
\mathcal{F}<br />
sein, denn ihr Komplement ist ja A und A ist abzählbar.

2. Fall: A^c ist abzählbar. Damit ist A^c automatisch in <br />
\mathcal{F}<br />
, da es abzählbar ist.

3)

Als dritte Bedingung muss jetzt noch gezeigt werden, dass die Vereinigung von allen A_i, die in <br />
\mathcal{F}<br />
sind, auch wieder in F ist:
<br />
A_i  \in \mathcal{F}\quad ,\quad i \in \mathbb{N}\quad  \Rightarrow \quad \bigcup\limits_{i = 1}^\infty  {A_i  \in \mathcal{F}}<br />
Auch hier unterscheiden wir wieder 2 Fälle:

1. Fall: alle A_i sind abzählbar.
<br />
 \Rightarrow \quad \bigcup\limits_{i = 1}^\infty  {A_i }<br />
abzählbar und somit <br />
 \in \mathcal{F}<br />

2. Fall: mindestens ein A_i ist nicht abzählbar:

Damit ist die Vereinigung auch nicht abzählbar. Ihr Komplement dagegen ist es.

<br />
\left( {\bigcup\limits_{i = 1}^\infty  {A_i } } \right)^c  = \bigcap\limits_{i = 1}^\infty  {A_i ^c }<br />
= abzählbar <br />
 \Rightarrow \quad \bigcup\limits_{i = 1}^\infty  {A_i  \in \mathcal{F}}<br />
, da ihr Komplement abzählbar ist.

(Im Schnitt befindet sich mindestens eine abzählbare Menge, womit der ganze Schnitt abzählbar wird)

Zur Verdeutlichung noch ein paar Bilder:

Vereinigungsmenge

Komplementmengen

Vereinigungskomplement

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