Sei
ein beschränktes Gebiet in
mit glattem Rand
. Wir betrachten die Laplacegleichung:

Eine Funktion
, die diese Gleichung erfüllt, heißt harmonisch. Für harmonische Funktionen gilt ein Maximumsprinzip: Sei
ein beschränktes Gebiet, sei
harmonisch in
. Dann gilt: Entweder ist
auf
konstant, oder es gilt
.
Wir betrachten nun das folgende Randwertproblem (Dirichlet-Problem für die Poisson-Gleichung):


Seien
und
. Ein
heißt klassische Lösung des Randwertproblems, falls
gilt. Das Dirichlet-Problem für die Poisson-Gleichung in einem beschränkten Gebiet hat höchstens eine klassische Lösung.
Fundamentallösung
Bestimmte Lösungen einer partiellen Differentialgleichung kann man manchmal dadurch erhalten, indem man einen geeigneten Ansatz wählt. Wir wollen nun nach radialsymmetrischen Lösungen der Laplace-Gleichung suchen, also nach Lösungen der Form
,
mit der zu bestimmenden Funktion
. Für
gilt, falls
,
.
Für den Ansatz oben gilt also
.
Dies setzen wir zum Laplace-Operator zusammen:

Wir haben damit für diesen Spezialfall die Laplace-Gleichung auf eine gewöhnliche DGL zurückgeführt. Diese besitzt die speziellen Lösungen
.
Die durch
(Flächeninhalt Rand Einheitskugel)
definierte Funktion
heißt Fundamentallösung. Die Fundamentallösung hat eine Singularität im Nullpunkt, was bei den folgenden Berechnungen zu Schwierigkeiten führen wird.
Greensche Darstellungsformel
Wir erinnern uns an den Satz von Gauß: Sei
kompakt mit abschnittsweise glattem Rand
, der Rand sei orientiert durch ein äußeres Normalen-Einheitsfeld
. Ferner Sei das Vektorfeld
stetig differenzierbar. Dann gilt:
.
Die erste Greensche Formel ergibt sich, wenn wir den Gauß’schen Satz auf
anwenden,


die zweite, indem wir in der ersten die Rollen von
und
vertauschen und subtrahieren:

Es ergibt sich die Greensche Darstellungsformel, wenn man die zweite Greensche Formel auf dem Gebiet
mit der dort harmonischen Funktion
anwendet und den Grenzübergang
durchführt. Der entsprechende Satz lautet wie folgt.
Sei
ein beschränktes Gebiet mit
-Rand,
. Dann gilt für alle
:
.
Wir beschränken uns nun auf
, wodurch sich wie oben gezeigt
ergibt:

Folgerungen aus der Greenschen Darstellungsformel
Folgerung 1: Ist
und ist
kompakt, so gilt:
.
Beweis 1: Wähle
in der Greenschen Darstellungsformel so groß, dass gilt:

Folgerung 2: Ist
harmonisch, so gilt:
.
Beweis 2: Es ist
in der Greenschen Darstellungsformel.
Greensche Funktion
Wir betrachten wieder das Dirichlet-Problem für die Poisson-Gleichung. Ist
eine klassische Lösung, für die die Greensche Darstellungsformel gilt, so folgt
.
Diese Formel eignet sich leider nicht für die direkte Berechnung von
aus
und
, da
auf
ebenfalls unbekannt ist. Um hier weiterzukommen, führen wir die Greensche Funktion ein. Wir nehmen an, dass es zu jedem
eine Funktion
gibt mit


Die durch

definierte Funktion heißt die Greensche Funktion des Laplace-Operators in
. Unmittelbar aus der Definition folgt, dass
,
und dass die Funktion
harmonisch ist in
. Wir kommen damit zu einer neuen Darstellungsformel.
Satz: Sei
ein beschränktes Gebiet mit
-Rand, sei
. Es existiere die Greensche Funktion in
. Dann gilt für alle
:
.
Beweis: Aus der zweiten Greenschen Formel ergibt sich mit 
.
Wenn wir dies von der Greenschen Darstellungsformel subtrahieren (beachte hierbei
), so folgt der Satz.
Es ergibt sich unmittelbar eine Integraldarstellung für die klassische Lösung des Randwertproblems für die Poisson-Gleichung, nämlich:
.
Wenn nun
gilt, wird daraus
.
Sei nun
definiert als der Integraloperator
mit
.
Dann gilt für
: 
Äußeres und inneres Gebiet
Sei
, wobei
das innere Gebiet,
das äußere Gebiet und
der Rand des Gebietes ist. Dann lautet die Greensche Darstellungsformel für eine harmonische Funktion wie folgt.
Theorem 1
Sei
. Es gebe die Grenzwerte
,
und die analog definierten Grenzwerte der Normalenableitungen. Weiterhin sei
![Rendered by QuickLaTeX.com \left[ {u\left( x \right)} \right]: = {\left. {u\left( x \right)} \right|_{\operatorname{int} \Gamma }}-{\left. {u\left( x \right)} \right|_{\operatorname{ext} \Gamma }}](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-98389500f2938cefdd36c9f434573133_l3.png)
![Rendered by QuickLaTeX.com \left[ {{\partial _n}u\left( x \right)} \right] = \left[ {\frac{{\partial u\left( x \right)}}{{\partial n}}} \right]: = {\left. {\frac{{\partial u\left( x \right)}}{{\partial n}}} \right|_{\operatorname{int} \Gamma }}-{\left. {\frac{{\partial u\left( x \right)}}{{\partial n}}} \right|_{\operatorname{ext} \Gamma }}](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-69cdfaffe527ab3e75bd6fe7a7b492ac_l3.png)
der Sprung von
bzw. der Normalenableitung von
am Rand. Für
gelte außerdem



Dann gilt für 
,
und für 
.
Beweis: Der Satz können wir beweisen, indem wir eine
-Kugel
auf den Rand
legen, so dass diese halb in
und halb in
enthalten ist. Weiterhin benutzten wir eine Kugel
, in der sowohl
als auch
enthalten sind. Anschließend wenden wir die Greensche Formel auf
und
an. Wir erhalten zwei Formeln für
. Diese addieren wir und lassen
gegen 0 gehen. Wenn wir dann
gehen lassen, folgt der erste Teil des Satzes. Für den zweiten Teil kann ein glatter Rand
durch eine Tangente approximiert werden, die
in zwei Halbkugeln teilt. Unter Benutzung von Polarkoordinaten kann man auf den Mittelwert von innerem und äußerem Grenzwert von
schließen.
Anmerkungen
Euklidischer Raum, dessen Rand ausreichend regulär ist in dem Sinn, dass er lokal als Graph einer Lipschitz-stetigen Funktion gesehen werden kann. Lipschitz-stetig: Funktion kann sich nur begrenzt schnell ändern.
- Der erste Teil des Satzes gilt auch für ein Lipschitz-Gebiet mit Ecken. Wenn
eine Ecke mit Innenwinkel
und Außenwinkel
ist, muss die linke Seite geändert werden zu
. - Wir betrachten den speziellen Fall
in
. Dann gilt für
:

Das bedeutet, dass
in
von
und
bestimmt wird. Diese beiden Bedingungen können allerdings nicht unabhängig voneinander vorgeschrieben werden, sondern nur entweder oder (Dirichlet- vs. Neumann-Problem).
Theorem 2
befriedige die Bedingungen von Theorem 1. Außerdem sei
. Dann gilt mit
für alle
im schwachen Sinn:


Beweis 2: Sei
. Wir wenden den Gauß’schen Satz auf
an und benutzen dann das Resultat von Theorem 1. Anschließend führen wir Polarkoordinaten ein und legen wie im Beweis von Theorem 1 eine Kugel
auf den Rand. Durch Vertauschen der Integrationsreihenfolge und erneute Anwendung des Gauß’schen Satzes folgt mit
Theorem 2.


