Ein Kasten (Masse m1) ist über eine Feder mit der Federkonstante c mit einer Wand verbunden und kann reibungsfrei auf seiner Unterlage gleiten.
In der zylindrischen Bohrung des Kastens (Radius b) liegt ein Rotationskörper r (Radius a, Massenträgheitsmoment Θ2. Wenn der Kasten von der Kraft F(t) horizontal bewegt wird, beginnt der Rotationskörper in der Bohrung zu rollen (ohne zu gleiten). Die Bewegung des Kastens x(t) und des Rotationskörpers φ(t) lassen sich aus zwei Differentialgleichungen bestimmen.

- Wie lauten diese Differentialgleichungen?
- Die Differentialgleichungen sind für kleine Ausschläge (|φ| << 1) zu linearisieren und dann
- für den eingeschwungenen Zustand zu lösen
- Für welche Frequenz ΩT ist x(t) = 0 aber φ(t) ≠ 0?
Lösung
Wir treffen zunächst folgende Feststellungen:
- es gibt zwei Freiheitsgrade: Translation des Kastens, Rotation der Kugel
- es muss keine Dämpfung berücksichtigt werden
- Art der Anregung: direkte Kraftanregung
Freigeschnittenes System:

Kinematik:
Zur Veranschaulichung hier eine weitere Grafik:

Die kleine grüne Rotationskörper dreht sich um den Momentanpol M1. Für die Geschwindigkeit v ergibt sich daher:

Der Rotationskörper dreht sich aber auch innerhalb der großen blauen Bohrung, nämlich um den Momentanpol M2. Auch in diesem Zusammenhang kann die Geschwindigkeit v angegeben werden:

Die Rollbedingung besagt, dass das v von beiden Betrachtungspunkten aus gleich sein muss:

Durch Umstellen und Ableiten erhalten wir daraus

Mit den Größen x2 und y2 soll nun die Bewegung des Schwerpunktes des Rotationskörpers beschrieben werden:


Wir leiten die Beziehungen zwei mal ab:




![Rendered by QuickLaTeX.com \ddot y_2 = \left( {a-b} \right)\left[ {\ddot \varphi \sin \varphi +\dot \varphi ^2 \cos \varphi } \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-84ae2524477c8d4c1dfbb8ef444ec065_l3.png)
Nun wenden wir den Schwerpunktsatz auf den Kasten an:

Und für den Rotationskörper gilt:


Hier können wir zudem den Drallsatz aufstellen:

Durch Schwerpunktsatz und Drallsatz haben wir 4 Gleichungen mit 4 Unbekannten erhalten!
a )
Um die Differentialgleichungen zu bestimmen, muss das Gleichungssystem nun aufgelöst werden. Wir betrachten zuerst die beiden Gleichungen


Die erste formen wir nach N um und setzen in die zweite ein:




Nun setzen wir die Beziehungen
![Rendered by QuickLaTeX.com \ddot x_2 = \ddot x+\left( {b-a} \right)\left[ {\ddot \varphi \cos \varphi -\dot \varphi ^2 \sin \varphi } \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-8cbd5e35844a22f012d0b913bd760e76_l3.png)
![Rendered by QuickLaTeX.com \ddot y_2 = \left( {a-b} \right)\left[ {\ddot \varphi \sin \varphi +\dot \varphi ^2 \cos \varphi } \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-84ae2524477c8d4c1dfbb8ef444ec065_l3.png)
ein:
![Rendered by QuickLaTeX.com R = -m_2 \left( {a-b} \right)\left[ {\ddot \varphi \sin \varphi +\dot \varphi ^2 \cos \varphi } \right]\sin \varphi +m_2 g\sin \varphi +m_2 \ddot x\cos \varphi +m_2 \left( {b-a} \right)\left[ {\ddot \varphi \cos \varphi -\dot \varphi ^2 \sin \varphi } \right]\cos \varphi](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-3f24371a4006e11ff483b0102f237360_l3.png)


Die Kraft setzen wir in die andere Gleichung ein:




Die Kräfte setzen wir nun in die beiden Gleichungen


ein und erhalten so:



und


b )

Aus dem gekoppelten DGL-System wird mit diesen Vereinfachungen:


Oder als Matrix geschrieben:
![Rendered by QuickLaTeX.com \left[ {\begin{array}{*{20}{c}} m_1 +m_2 & {\left( {b-a} \right)m_2 } \\ {m_2 } & {\left( {b-a} \right)\left( {m_2 +\frac{{\Theta _2 }} {{a^2 }}} \right)} \\ \end{array} } \right]\left[ {\begin{array}{*{20}{c}} \ddot x \\ {\ddot \varphi } \\ \end{array} } \right]+\left[ {\begin{array}{*{20}{c}} c & 0 \\ 0 & {mg} \\ \end{array} } \right]\left[ {\begin{array}{*{20}{c}} x \\ \varphi \\ \end{array} } \right] = \left[ {\begin{array}{*{20}{c}} F\left( t \right) \\ 0 \\ \end{array} } \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-f08d3bf616ed4b4075838f858eebc749_l3.png)
c )
Die folgende DGL soll gelöst werden:
![Rendered by QuickLaTeX.com \left[ M \right]\left\{ {\ddot x} \right\}+\left[ K \right]\left\{ x \right\} = \left\{ {\hat F} \right\}\sin \Omega t](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-baf9441f003aa17b2bafa1baefcc01a8_l3.png)
Da nur der Eingeschwungene Zustand betrachtet wird, in dem die homogene Lösung schon abgeklungen ist, suchen wir nach der partikulären Lösung.
Ansatz vom Typ der rechten Seite:
![Rendered by QuickLaTeX.com \left\{ x \right\} = \left[ {\begin{array}{*{20}{c}} \hat x \\ {\hat \varphi } \\ \end{array} } \right]\sin \Omega t = \left\{ {\hat x} \right\}\sin \Omega t](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-387001d8ffc6a17bbaa823e1a9fb2e28_l3.png)
zweite Ableitung:
![Rendered by QuickLaTeX.com \left\{ {\ddot x} \right\} = -\Omega ^2 \left[ {\begin{array}{*{20}{c}} \hat x \\ {\hat \phi } \\ \end{array} } \right]\sin \Omega t = -\Omega ^2 \left\{ {\hat x} \right\}\sin \Omega t](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-12eab75e36494c6013a352d8abceb29c_l3.png)
eingesetzt:
![Rendered by QuickLaTeX.com \left( {\left[ K \right]-\Omega ^2 \left[ M \right]} \right)\left\{ {\hat x} \right\}\sin \Omega t = \left\{ {\hat F} \right\}\sin \Omega t](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-51f11690064bb17104e35b6156fea452_l3.png)
kürzen:
![Rendered by QuickLaTeX.com \underbrace {\left( {\left[ K \right]-\Omega ^2 \left[ M \right]} \right)}_{\left[ B \right]}\left\{ {\hat x} \right\} = \left\{ {\hat F} \right\}](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-280c7519db8810e99ee2179d2a2b136a_l3.png)
Wir bringen die Matrix B als Inverse auf die andere Seite der Gleichung und erhalten:
![Rendered by QuickLaTeX.com \Rightarrow \quad \left\{ {\hat x} \right\} = \left[ B \right]^{-1} \left\{ {\hat F} \right\}](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-30c0d0568c4b35f109e112e552a04cb3_l3.png)
Wie man die Inverse berechnet, kann in diesem Artikel nachgelesen werden.

![Rendered by QuickLaTeX.com \left[ B \right]^{-1} = \frac{1} {{\det B}}\left[ {\begin{array}{*{20}{c}} K_{22} -\Omega ^2 M_{22} & {\Omega ^2 M_{12} } \\ {\Omega ^2 M_{21} } & {K_{11} -\Omega ^2 M_{11} } \\ \end{array} } \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-e9d3ffc0378fdbb713235deb1004ffec_l3.png)
Für die obere Gleichung gilt damit:

![Rendered by QuickLaTeX.com \Rightarrow \quad x\left( t \right) = \frac{1} {{\det B}}\left[ {m_2 g-\left( {b-a} \right)\left( {m_2 +\frac{{\Theta _2 }} {{a^2 }}} \right)\Omega ^2 } \right]\hat F\sin \Omega t](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-9754c30e953ec94653ac1b2f8dfb54f5_l3.png)
Und für die untere:


d )
Tilgung
![Rendered by QuickLaTeX.com x\left( t \right) = 0 = \frac{1} {{\det B}}\underbrace {\left[ {m_2 g-\left( {b-a} \right)\left( {m_2 +\frac{{\Theta _2 }} {{a^2 }}} \right)\Omega ^2 } \right]}_{ = 0}\hat F\sin \Omega t](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-e2f8696a6f1d6ca7aa2e47d317621588_l3.png)



