In den meisten der in der Einführung aufgeführten Modellgleichungen sind die Koeffizienten auf 1 normalisiert. Im Allgemeinen treten in den Gleichungen noch Zahlen (konstante Koeffizienten) oder Funktionen (variable Koeffizienten) auf.
Die unbekannte Funktion
sowie die unabhängigen Variablen
(Ort) und
(Zeit) haben im Allgemeinen eine physikalische Einheit. Die Koeffizienten werden deshalb benötigt, damit die Einheiten passen:

Hier ist der Koeffizient
eine Geschwindigkeit.
Für die mathematische Betrachtung ist es oft sinnvoll, die auftretenden Größen dimensionslos zu machen. ist zum Beispiel
und
, dann sind die neuen Variablen
und
dimensionslos und variieren im Intervall
.
Schreibt man die Differentialgleichung in dimensionslose Variablen um, dann entstehen dimensionslose Koeffizienten, die von
abhängen. Bekannte Beispiele sind die Machzahl und die Reynolds-Zahl.
Spezielle Schwierigkeiten treten meist auf, wenn diese Koeffizienten besonders groß oder besonders klein werden. Wir wollen hier darauf aber nicht eingehen und stets von moderater Größenordnung ausgehen. Deshalb setzt man sehr oft der Einfachkeit halber gleich 1.
Schwierigkeit von Differentialgleichungen
Als Merkregel gilt:
- Lineare DGLs sind einfacher zu behandeln als nicht-lineare. Je höher die Nichtlinearität, desto schwieriger ist die Gleichung zu lösen.
- Je höher die Ordnung der DGL, desto schwieriger
- Systeme von DGLs sind schwieriger als skalare Gleichungen.
- Je mehr unabhängige Variablen, desto schwieriger.
Bei jeder Aussage gibt es aber Ausnahmen!
Lösung einer DGL
Definition:
-mal stetig differenzierbare Funktion heißt klassische Lösung der Differentialgleichung
von der Ordnung
, wenn
die Nullfunktion ist.
Beispiel 1
Man überprüfe, für welche
die Funktion

Lösung der Partiellen Differentialgleichung

ist. Konstruieren Sie weitere Lösungen.
Lösung
Ableitung nach der Zeit:

Ableitungen nach dem Ort:


Wir sehen: 
Weitere Lösungen sind (unter anderem):





Beispiel 2
Man finde Lösungen
der PDGL 
Lösung
Integrieren nach x:

Integrieren nach y:

Beispiel 3
Man überprüfe, dass

und

die Laplace-Gleichung
erfüllt.
Lösung in kartesischen Koordinaten
Ableitungen nach x:


Ableitungen nach y:

Also ist die Laplacegleichung erfüllt.
Schockwellen und wohlgestellte Probleme
In der Fluiddynamik kommt es oft zu Schockwellen, d.h. es treten unstetige Funktionen auf, die Lösung von PDGLs (den Erhaltungsgleichungen) sein sollen. Nach unserer Definition können das aber keine klassischen Lösungen sein.
Zu diesem Zweck müssen Verallgemeinerungen definiert werden.
Definition:
- es eine Lösung besitzt
- diese eindeutig ist
- die Lösung stetig von den Daten abhängt


