Zu der im letzten Artikel erklärten Matrixschreibweise hier nun ein Rechenbeispiel.
Es schwingt ein System mit zwei Massen und zwei Federn. Die Massen sind:


Die beiden Federsteifigkeiten sind

Nach der Gleichung für die Massenmatrix gilt:
![Rendered by QuickLaTeX.com \left[ M \right] = \left[ {\begin{array}{*{20}{c}} m_1 & 0 \\ 0 & {m_2 } \\ \end{array} } \right] = \left[ {\begin{array}{*{20}{c}} 2m & 0 \\ 0 & m \\ \end{array} } \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-cc319630d614474dce49f6a91d778c23_l3.png)
und nach der Gleichung für die Steifigkeitsmatrix:
![Rendered by QuickLaTeX.com \left[ K \right] = \left[ {\begin{array}{*{20}{c}} c_1 +c_2 & {-c_2 } \\ {-c_2 } & {c_2 } \\ \end{array} } \right] = \left[ {\begin{array}{*{20}{c}} 2c & {-c} \\ {-c} & c \\ \end{array} } \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-0b1eb6f48298bbcd90d4b671a9585420_l3.png)
Für die Auslenkungen benutzen wir die im letzten Artikel erschlossene Beziehung
Es folgt:
![Rendered by QuickLaTeX.com x_1 = \frac{1} {{\det B}}\left[ {\left( {c-\Omega ^2 m} \right)\hat F_1 +c\hat F_2 } \right]\cos \left( {\Omega t} \right)](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-96d9e04ffecf053f75f829604c2c5bb4_l3.png)
![Rendered by QuickLaTeX.com = \frac{1} {{\det B}}\left[ {c\left( {1-\frac{1} {2}\left( {\frac{\Omega } {{\omega _0 }}} \right)^2 } \right)\hat F_1 +c\hat F_2 } \right]\cos \left( {\Omega t} \right)](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-ea11faa577e76b94c3e10520ccf28151_l3.png)
dabei wurde für die Bezugs-Kreisfrequenz eingesetzt: 
Analog für die Masse m2:
![Rendered by QuickLaTeX.com x_2 = \frac{1} {{\det B}}\left[ {c\hat F_1 +\left( {2c-\Omega ^2 2m} \right)\hat F_2 } \right]\cos \left( {\Omega t} \right)](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-31b8eb43e239cba7997820fda38a5267_l3.png)
![Rendered by QuickLaTeX.com = \frac{1} {{\det B}}\left[ {c\hat F_1 +2c\left( {1-\frac{1} {2}\left( {\frac{\Omega } {{\omega _0 }}} \right)^2 } \right)\hat F_2 } \right]\cos \left( {\Omega t} \right)](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-89b4d64a6f8f8409dbc9ea66b2720ebb_l3.png)
Die Matrix B ist
![Rendered by QuickLaTeX.com \left[ B \right] = \left[ K \right]-\Omega ^2 \left[ M \right] = \left[ {\begin{array}{*{20}{c}} K_{11} -\Omega ^2 M_{11} & {K_{12} } \\ {K_{21} } & {K_{22} -\Omega ^2 M_{22} } \\ \end{array} } \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-1c7b8c26306061576b123cf0877ca4ed_l3.png)
also
![Rendered by QuickLaTeX.com \left[ B \right] = \left[ {\begin{array}{*{20}{c}} 2c-\Omega ^2 2c & {-c} \\ {-c} & {c-\Omega ^2 m} \\ \end{array} } \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-69f775657713a35d483369abbf10f5ad_l3.png)
Man erhält die Determinante

![Rendered by QuickLaTeX.com = 2\left( {c-\Omega ^2 m} \right)^2 -c^2 = c^2 \left\{ {2\left[ {1-0,5\cdot\left( {\frac{\Omega } {{\omega _0 }}} \right)^2 } \right]^2 -1} \right\}](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-19ddf3b05948755283ea77f0b295bd7d_l3.png)
eingesetzt ergibt dies die Auslenkung der Masse m1
![Rendered by QuickLaTeX.com x_1 = \frac{{\left[ {c\left( {1-\frac{1} {2}\left( {\frac{\Omega } {{\omega _0 }}} \right)^2 } \right)\hat F_1 +c\hat F_2 } \right]}} {{c^2 \left\{ {2\left[ {1-0,5\cdot\left( {\frac{\Omega } {{\omega _0 }}} \right)^2 } \right]^2 -1} \right\}}}\cos \left( {\Omega t} \right)](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-f7acf4d139319c3662728d00a0f9983a_l3.png)
Abschließend kann noch ein c weggekürzt werden:
![Rendered by QuickLaTeX.com x_1 = \frac{{\left[ {\left( {1-\frac{1} {2}\left( {\frac{\Omega } {{\omega _0 }}} \right)^2 } \right)\hat F_1 +\hat F_2 } \right]}} {{c\left\{ {2\left[ {1-0,5\cdot\left( {\frac{\Omega } {{\omega _0 }}} \right)^2 } \right]^2 -1} \right\}}}\cos \left( {\Omega t} \right)](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-38b4d892680a4235fea1bb4d302fb70b_l3.png)
Damit wir die Erregerkräfte getrennt betrachten können, lösen wir für die Kurvendiskussion in zwei Summanden auf:
analog erhalten wir für die Auslenkung der zweiten Masse:
Wir führen nun eine Kurvendiskussion durch
Dabei betrachten wir zuerst den ersten Summanden und setzen den zweiten = 0, anschließend betrachten wir den zweiten Summanden. Die beiden Ergebnisse können wir überlagern, da bei linearen Systemen Superposition möglich ist.
Auslenkung der Masse m1
mit

Auslenkung der Masse m2
mit

Sonderfall 1: Erregung der oberen Masse
Für F2 = 0 folgt für die Auslenkung der oberen Masse m1:

und für die untere Masse

Graph:

Abgebildet sind die normierten Schwingwege der Masse m1 (durchgezogen) bzw der Masse m2 (strichpunktiert) als Funktionen der normierten Erregerkreisfrequenz Ω / ω0 bei Anregung der oberen Masse.
Interpretation der Ergebnisses
Für verschiedene Erregerkreisfrequenzen treten unterschiedlichen Phänomene auf.
0 < Ω < ω1: m1 und m2 schwingen gleichphasig. Beide sind in Phase mit der Erregerkraft.
Ω → ω1: Erste Resonanz, die Amplituden wachsen über alle Grenzen. Es tritt ein Vorzeichenwechsel bzw. ein Sprung beider Phasen um 180° auf.
ω1 < Ω < ωT: m1 und m2 schwingen gleichphasig. Beide sind in Gegenphase zu der Erregerkraft.
Ω = ωT: Es Tritt “Tilgung” auf. m2 bewegt sich, während die angeregte Masse m1 in Ruhe ist.
ωT < Ω < ω2: m1 und m2 schwingen gegenphasig. Dabei ist m2 in Gegenphase und m1 in Gleichphase zu der Erregerkraft.
Ω → ω1: Zweite Resonanz, die Amplituden wachsen über alle Grenzen. Es tritt erneut ein Vorzeichenwechsel bzw. ein Sprung beider Phasen um 180° auf.
ω2 < Ω < ∞: m1 und m2 schwingen gegenphasig. m1 ist nun in Gegenphase und m2 in Gleichphase zu der Erregerkraft. Die Amplituden streben asymptotisch gegen 0.
Sonderfall 2: Anregung der unteren Masse

Dargestellt sind die normierten Schwingwege der Masse 1 (durchgezogene Linie) und der Masse 2 (strickpunktiert) als Funktion der normierten Erregerkreisfrequenz bei Anregung der Masse 2.


