Der im Bild beschriebene I-Träger aus S335J2G3 wird mit einer flachen Kehlnaht an eine kastenförmige Säule angeschweißt und an seinem freien Ende mit der Kraft
dynamisch entsprechend dem dargestellten Last-Zeit-Verlauf belastet.

20.1 – Berechnen Sie nach dem Verfahren von Niemann die vorhandenen Sicherheiten gegen Dauerbruch am Bauteil-Anschlussquerschnitt sowie in der Schweißnaht. Gehen Sie hierbei von einer Naht in Normalgüte aus.
20.2 – Beurteilen Sie die Ausführung hinsichtlich des beanspruchungsgerechten Konstruierens.
Geforderte Mindestsicherheiten:
Bauteil: 
Schweißnaht: 
Lösung
20.1 – Nachrechnung der Schweißnaht
a) Sicherheit im Bauteil
Biegung:




Dabei kommt die Formel für das Biegewiderstandsmoment aus dem INA Taschenbuch S.120.
Querschub im Steg:

Vergleichsspannung:

Nun berechnen wir die Gestaltfestigkeit, also die Spannung, die das Bauteil maximal ertragen kann. Für diese gilt:

Die verwendeten Größen müssen noch bestimmt, bzw. in Tabellen nachgeschlagen werden.
Diagramm für den technologischen Größenfaktor
:

Es ergibt sich ein Wert von
, da die Wanddicke sehr gering ist.
Wir haben in der Aufgabenstellung keine Angaben über die Güte der Oberfläche, daher entfällt die Bestimmung des Oberflächeneinflussfaktors
.
Der nächste Wert ist der Werkstoffkennwert
. Wir betrachten die folgende Tabelle:

Es liegt eine schwellende Biegebelastung vor, daher ist
.
Hier brauchen wir wieder die Tabelle mit Werkstoffeigenschaften:

Für den Werkstoff S355J2G3 erhalten wir einen Wert von 
Eingesetzt: 
Sicherheit:
in Ordnung!
b) Sicherheit in der Schweißnaht
Hier zunächst eine Skizze der Schweißnaht:

Die Dicke der Schweißnaht ist die Länge der schrägen gelben Linie. Dadurch erhält man zwar einen kleineren Wert als die Höhe der Naht an der Wand, aber es ergibt sich eine bessere Sicherheit.
Die Belastungen durch eine äußere Kraft sind wie folgt:

Wir müssen außerdem die Randkraterabstände beachten:

Es gilt:





Beanspruchung an Position 1:


Das Flächenträgheitsmoment
berechnen wir mit dem Satz von Steiner:

Dabei steht der Index h für horizontal, v für vertikal. Der mittlere Summand ist der Steiner-Anteil.
Es gilt:





Damit ist


Ausschlagsspannung (in diesem Fall die halbe Normalspannung):

Ausschlagskraft:

Beanspruchung an Position 2:
Normalspannung:

Ausschlagspannung (in diesem Fall die halbe Normalspannung):
Schub (nur in den Schweißnähten am Steg):


Festigkeit der Schweißnaht:
Spannungsverhältnis:
Festigkeit der Schweißnaht an Position 1 gegen Normalspannung:

Wir prüfen die mittlere Spannung, da diese für unsere Berechnung
sein muss:
in Ordnung.
Mittelspannungsempfindlichkeit:
. (3,5 gilt für Walzstahl!)
Aus diesen Werten folgt die Ausschlagfestigkeit (Index A):

Festigkeit an Stelle 2 gegen Normal- und Schubspannung:


Sicherheiten:
Um die Sicherheitsfaktoren zu berechnen, teilen wir jeweils die Festigkeit durch die auftretende Spannung.
Einzelsicherheiten:
in Ordnung!
in Ordnung!
in Ordnung!
Kombinierte Sicherheit:

Der Kehrwert ist die gesuchte Sicherheit:
in Ordnung!
20.2 – Bemerkung zur Konstruktion
Die Konstruktion ist nicht beanspruchungsgerecht, da sich die Kastenförmige Säule leicht verwölben kann!



Servus,
unter a) beim Querschub im Steg müsste es F = 30kN im Zähler heißen, denke ich.
Danke
mfg
Michael Buhr
Danke, war ein Tippfehler.
Das Ergebnis war aber korrekt, bei 20kN wäre 5.31 N/mm² herausgekommen.
Servus, TOP Seite…
allerdings hast du meines erachtens nach einen fehler bei der bestimmung von Iwb: Müssten nicht die kleinen Flächen die vertikel am Träger verlaufen auch einen Steiner-Anteil bekommen? Du hast zwar das ganze mal 2 genommen, aber es sind nach dieser berechnung ja 4 hälften am gesamtträger!
Weiter so!
ach schmarrn, fehler von mir!
Bei den Randkraterabständen:
e1 muss bis zur Mitte der Naht gehen, oder?
MfG
Bei Position 2:
Wwb2 = Iwb / l2/2
Das muss doch eigentlich ein L2 sein oder? Der Zahlenwert ist dann wieder richtig.
MfG
Stimmt und stimmt
Habs korrigiert.
Bei Beanspruchung an Stelle 2 gegen Normal- und Schubspannung, handelt es sich eben nicht um Beanspruchungen sonder um die Festigkeit an Stelle 2 gegen Normal- und Schubspannung!
Für Schweißnaht 1 wird zwar eine Sicherheit berechnet, aber die Anmerkung ob dieser Wert in Ordnung ist fehlt.
Update:
statt
@T.H.
Danke, wurde korrigiert.
Update:
Unter der Tabelle für den Größeneinflussfaktor:
statt
Alle
durch
ersetzt.
In die Zeichnug mal bitte die verschiedenen Längen eintragen, also wo ist “l”,”H”,”h”,”b” oder “B”