Ein Elektromotor mit der Masse M ist wie skizziert auf einem Träger der Länge L montiert. Der Rotor des Motors mit der Masse m habe die Schwerpunktexzentrizität e und die Drehfrequenz f. Die Masse des Trägers werde gegenüber der Motormasse vernachlässigt.

Berechnen Sie:
- die statische Durchbiegung xstat
- die Eigenfrequenz f1 des ungedämpften Systems
- die Amplitude A* des Motors bei der Drehfrequenz f unter der Annahme, dass die Eigenschwingungen infolge der sehr kleinen Materialdämpfung des Trägers abgeklungen sind
Gegeben: M = 76 kg, m = 38 kg, f = 25 Hz, e = 100 µm, E = 206 GPa, Iy = 1,48 · 10-6 m4, L = 1m
Lösung
a )
Statische Belastung des Systems:

Das System ist statisch bestimmt, die Auflagerreaktionen können bestimmt werden:




Um bei der Herleitung der Biegelinie Arbeit zu sparen, berechnen wir noch das Biegemoment in Abhängigkeit von x:




Die Differentialgleichung für die Biegelinie lautet:

Wir setzen den berechneten Biegemomentverlauf ein:

Durch Integration erhalten wir:



Nun arbeiten wir die Randbedingungen ein (der Balken ist links fest eingespannt):



In der Aufgabenstellung ist nach der statischen Verbiegung am Ende des Balkens gefragt, also nach w(L):

Werte einsetzen:


b )
Um die Differentialgleichung aufstellen zu können, erstellen wir als erstes ein Ersatzsystem für die durch Unwuchtanregung erzwungene, im Balken durch Materialdämpfung gedämpfte Schwingung:

FR ist die vertikale Kraft, die der Rotor auf den Stator ausübt.
Wir stellen nun den Schwerpunktsatz auf.
Für den Stator gilt:

und für den Rotor:


In die Differentialgleichung eingesetzt:



Wir dividieren abschließend durch die Masse M:

Um nun die Schwingung unabhängig von der statischen Durchbiegung betrachten zu können, spalten wir die Gleichgewichtslage ab (Koordinatentransformation):

Dabei bleiben Schwinggeschwindigkeit und -beschleunigung gleich:



Einsetzen:


Für eine Feder gilt:

In diesem Fall:

eingesetzt:


Der Vergleich mit der Standard-Schwingungs-DGL

ergibt



Für eine Feder gilt:

In diesem Fall:

Wir erhalten für die Eigenkreisfrequenz des ungedämpften Systems:

Die Eigenfrequenz des ungedämpften Systems ergibt sich zu

Werte einsetzen:

c )
Das Ziel ist es nun, die Amplitude der Auslenkung des Motors (also die Auslenkung des Endes des Stabes) nach der Einschwingzeit zu berechnen. Da die homogene Lösung in Folge von sehr schwacher Dämpfung mit der Zeit verloren geht, müssen wir nur die partikuläre Lösung betrachten.
Die Differentialgleichung lautet:

Für eine partikuläre Lösung nutzen wir den Ansatz



In die DGL eingesetzt folgt daraus

Ausgeklammert:

Wenn der Term zu allen Zeiten gleich 0 sein soll, müssen immer beide Klammern 0 sein. Es folgt:


Wir stellen die zweite Gleichung um und setzen sie in die erste ein:




Eingesetzt in den Lösungsansatz ergibt das:

![Rendered by QuickLaTeX.com y = \frac{{f_0 }} {{\left( {\omega _1^2 -\Omega ^2 } \right)^2 +\left( {2\delta \Omega } \right)^2 }}\left[ {\left( {\omega _1^2 -\Omega ^2 } \right)\cos \Omega t+2\delta \Omega \sin \Omega t} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-57f7befcf94cae717d19f668b4c30ff4_l3.png)
Mit dem zuvor bestimmten f0:
![Rendered by QuickLaTeX.com y = \frac{{me\Omega ^2 }} {{M\left( {\left( {\omega _1^2 -\Omega ^2 } \right)^2 +\left( {2\delta \Omega } \right)^2 } \right)}}\left[ {\left( {\omega _1^2 -\Omega ^2 } \right)\cos \Omega t+2\delta \Omega \sin \Omega t} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-46f72c5953355221c2bf11f07bf2d162_l3.png)
Wie in diesem Artikel über die Resonanzkurve des Schwingweges beschrieben lässt sich die Amplitude von y berechnen:
![Rendered by QuickLaTeX.com \hat y = \frac{{me\Omega ^2 }} {{M\left[ {\left( {\omega _1^2 -\Omega ^2 } \right)^2 +\left( {2\delta \Omega } \right)^2 } \right]}}\sqrt {\left( {\omega _1^2 -\Omega ^2 } \right)^2 +\left( {2\delta \Omega } \right)^2 } = \frac{{me\Omega ^2 }} {{M\sqrt {\left( {\omega _1^2 -\Omega ^2 } \right)^2 +\left( {2\delta \Omega } \right)^2 } }}](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-c68e563758a357b8168b929b72d00ed0_l3.png)
Bei sehr schwacher Dämpfung ist die Abklingkonstante viel kleiner als die Eigenkreisfrequenz, wir vernachlässigen daher den Term

und schreiben für die Amplitude:

Werte einsetzen:



