Die unten dargestellte Kegelverbindung zwischen einer Zahnriemenscheibe aus EN-GJL-200 und einem Wellenzapfen aus C22E ist nachzurechnen. Die zu übertragende Leistung beträgt
, die Drehzahl der Welle ist
. Gehen Sie von einer Sicherheit
gegen Rutschen aus.

Legen Sie Ihrer Berechnung folgende Reibungszahlen zugrunde:
- in der Fuge:

- unter der Mutterauflage:

- im Gewinde:

13.1 – Ermitteln Sie die zur Übertragung des Drehmoments erforderliche Einpresskraft.
13.2 – Ermitteln Sie die in der Fuge wirkende Flächenpressung.
13.3 – Ermitteln Sie das erforderliche Anziehdrehmoment der Spannmutter.
13.4 – Rechnen Sie den Gewindezapfen nach (
).
Lösung
13.1 – Ermittlung der Einpresskraft
Hier zunächst eine Skizze der wirkenden Kräfte:

Die eingezeichneten Kräfte stehen für:
: Normalkraft
: tangentiale Reibungskraft = Reibungskraft
: Axialkraft
: Radialkraft
Wir können die von außen aufgebrachte Normalkraft
und die daraus resultierende tangentiale Reibkraft
bzw.
durch eine von innen nach außen wirkende Reaktionskraft in axialer Richtung (
) und in radialer Richtung (
) ausgleichen.
Bei einer Kegelverbindung handelt es sich um eine reibschlüssige Verbindung. Die Kraftübertragung zwischen Welle und Nabe erfolgt durch Reibungswiderstand, der sich aus den Pressungen in der Trennfuge der zu verbindenden Teile ergibt. In diesem Fall ergibt sich die Pressung aus dem Kegelsitz. Eine derartige Verbindung eignet sich zur Übertragung von Drehmomenten zwischen Welle und Nabe. Bei der Kegelverbindung wird die Normalkraft durch die Keilwirkung (schiefe Ebene) erzeugt. Die Längskraft der Schraube wird durch die Keilwirkung erzeugt (verstärkte Fugenpressung). Außen- und Innenkegel müssen übereinstimmen. Die Fugenpressung ist dabei an allen Stellen gleich. Diese Verbindung ist für Stoß- und Wechselbeanspruchung geeignet. Die Kegelverbindung gewährleistet einen genauen zentrischen Sitz und hohe Laufgenauigkeit und Laufruhe. Nachträgliches axiales Verschieben oder Nachstellen ist allerdings nicht möglich.
In der Kegelverbindung verhält sich das Moment der tangentialen Reibkraft (Reibmoment) gerade entgegen des aufgebrachten Torsionsmoments durch die von außen aufgebrachte Kraft
:

Damit die Verbindung hält, muss gelten:

Das Reibmoment muss also größer sein als das aufgebrachte Torsionsmoment. Für das Reibmoment gilt dabei:

Dabei ist
der mittlere Fugendurchmesser. Für die Reibungskraft bzw. die tangentiale Reibkraft gilt (siehe Skript „Elemente verbinden“ S. 67):

Im nächsten Schritt vergleichen wir
eingesetzt in
mit
:

Damit ergibt sich für die erforderliche Anpresskraft:

Hier eine Skizze zu dem Problem:

Die resultierende Kraft
, die auf das Lager wirkt, wird zum einen durch die Kräfte von außen, also
und
erzeugt, zum anderen aber auch durch die Reaktionskräfte
(radial) und
(axial). Die Winkeldifferenz dieser beiden rechtwinkligen Dreiecke bildet dabei den halben Kegelneigungswinkel
.
ist der Reibungsneigungswinkel, für den gilt:

Der Winkel ist also abhängig von der Fugenfläche und damit vom Haftbeiwert
.
Wir können also aus der Skizze folgern:



Aus
und
folgt:

Aus
,
und
folgt:


Aus der Aufgabenstellung entnehmen wir eine geforderte Sicherheit gegen Rutschen von
. Damit gilt für die erforderliche Einpresskraft mit der Sicherheit
nach
:

Um diese Gleichung zu lösen, brauchen wir zunächst das zu übertragende Drehmoment. Aus der Aufgabenstellung geht eine zu übertragende Leistung von
hervor bei einer Drehzahl von
. Zur Ermittlung des Drehmoments gilt die Formel:

Die Gleichung lässt sich wie folgt herleiten:

Die nächste benötigte Größe ist der Durchmesser
am dünneren Ende des Kegels, mit dem wir anschließend auf andere benötigte Größen schließen können.
Skizze des Problems:

Durch das so genannte Kegelverhältnis
wird die Neigung des Kegels ausgedrückt (Roloff-Matek S. 365-368). Es gilt:

mit dem dicken Durchmesser
, dem dünnen Durchmesser
und der Kegellänge
.
Laut Zeichnung in der Aufgabenstellung gilt:
. Mit
und
folgt daraus:

Für den Kegelneigungswinkel gilt nach Roloff-Matek:

Der Reibungsneigungswinkel
ergibt sich nach
aus

Der mittlere Kegeldurchmesser
ist:

Aus
lässt sich mit den errechneten Größen nun die mindestens benötigte Einpresskraft
ermitteln:

13.2 – Ermittlung der wirkenden Flächenpressung
Die wirkende Flächenpressung ist im Prinzip die Fugenpressung, die durch die Einpresskraft
bestimmt wird. Da sich die Einpresskraft bei Kegelverbindungen annährend gleichmäßig über den Fugenumfang verteilt, gilt:

Dabei ist laut Roloff-Matek S. 368
, also:

Nun brauchen wir die Kraft
. Wir stellen Gleichung
um:

Damit folgt:

Werte einsetzen:

13.3 – Ermittlung des Anziehmoments
Laut Aufgabenskizze haben wir es bei dem Gewinde der Spannmutter mit dem Typ M48x3 zu tun. Dies bedeutet (laut Roloff-Matek Kapitel 8 S.194):
M – metrisches ISO-Feingewinde
48 – Nenndurchmesser 48mm
3 – Steigung 3mm (Gewinde kann als spiralförmige schiefe Ebene verstanden werden)
Wir nutzen zur Berechnung die folgende Tabelle:


Ein Gewinde ist dabei nichts anderes als die profilierte Einkerbung, die längs einer um einen Zylinder gewundenen Schraubenlinie verläuft.
Die Art des Gewindes wird durch die Profilform (z.B. Dreieck oder Trapez), die Steigung, die Gangzahl (ein- oder mehrgängiges Gewinde) und den Windungssinn der Schraubenlinie (rechts- oder linksgängig) bestimmt. Die gebräuchlichsten Gewindearten sind:
- Metrisches ISO-Gewinde / Feingewinde / Regelgewinde
- Rohrgewinde
- Metrisches ISO-Trapezgewinde
- Metrisches Sägengewinde
- Rundgewinde
- Sonstige Gewindearten: Stahlpanzerrohr-Gewinde, Spezialgewinde z.B. für Gasflaschen
Wir bestimmen nun das Anziehdrehmoment (Roloff-Matek S.219)
Beim Festziehen der Schraube benötigen wir ein Moment, das so genannte Anziehdrehmoment, das sich aus zwei Komponenten zusammensetzt. Das ist zum einen das Moment
, das so genannte Gewindemoment, zum anderen
, das Auflagerreibungsmoment. Damit ergibt sich für das Anziehdrehmoment:

Für das Gewindemoment gilt die Beziehung:

mit dem Flankendurchmesser des Gewindes (Tabelle)
, dem Steigungswinkel des Gewindes (Tabelle oder rechnerisch)
und dem Reibungswinkel des Gewindes (Tabelle) 
Für das Auflagerreibungsmoment gilt die Beziehung:

mit der Reibungszahl für die Auflagefläche
und dem wirksamen Reibungsdurchmesser
im Schraubenkopf oder der Mutterauflage
Damit folgt für das Anziehmoment:


Wir bestimmen zunächst den Flankendurchmesser
mit Hilfe der Tabelle oben. Wir sehen:

Als nächstes bestimmen wir den Steigungswinkel
des Gewindes. Wir können ihn hier ebenfalls aus der Tabelle entnehmen:
.
Wäre der Winkel nicht in der Tabelle, könnten wir ihn mit der Beziehung

berechnen. Dazu bräuchten wir allerdings noch die Gewindeleistung
, für die bei einem mehrgängigen Gewinde gilt:
(Gangzahl
, Teilung des Gewindes
)
Als nächstes ist der effektive Reibungswinkel
zu bestimmen. Es folgt aus der Gleichung für die Gewinde-Reibungszahl:

mit der Gewinde-Reibungszahl
, die in der Aufgabenstellung gegeben ist, und dem Flankenwinkel
, der sich aus dem Bild über der Tabelle oben ergibt: 
Eine weitere benötigte Größe ist die Reibzahl für die Mutterauflage. Sie ist in der Aufgabenstellung gegeben:
.
Die letzte Unbekannte ist der rechnerische Reibungsdurchmesser an der Mutterauflage
. Man bezeichnet diesen Durchmesser auch als wirksamen Reibungsdurchmesser. Es gilt:

Der Faktor 1,4 ist dabei immer zu verwenden, wenn es um Sechskant und Zylinderschrauben geht.
Damit ergibt sich schließlich das Anziehmoment der Spannmutter:



13.4 – Nachrechnung des Gewindezapfens
Durch die axiale Kraft
und durch das Anziehdrehmoment ergeben sich im Gewindezapfen sowohl Zugspannungen als auch Torsionsspannungen. Wir haben es also mit einem zweiachsigen Spannungszustand zu tun. Es empfiehlt sich die Berechnung einer Vergleichsspannung mit der Gestaltänderungsenergiehypothese. Im Folgenden müssen wir also die Einzelbelastungen betrachten.
1. Zugbelastung

Der Spannungsquerschnitt
ist hier leicht zu berechnen:

Dabei ist
der Mittelwert zwischen Flanken- und Kerndurchmesser des Feingewindes, die aus der Tabelle entnommen werden können:



2. Torsionsbelastung

Wir betrachten bei der Torsionsbelastung nur das Gewindemoment ohne das Auflagereibungsmoment, da dieses nur bei der Reibung des Schraubenkopfes mit der Oberfläche entsteht.
Für das Gewindemoment allgemein gilt:

Das Torsionswiderstandsmoment eines Kreisquerschnittes ergibt sich aus:

Da die Schraube an jeder Stelle einen anderen Querschnitt (anderer Durchmesser) hat, müssen wir hier den mittleren Durchmesser benutzen:

Damit ergibt sich die Torsionsbelastung:

Für die gesuchte Vergleichsspannung nach GEH gilt:

Das Anstrengungsverhältnis entnehmen wir der folgenden Tabelle:

Da es sich um eine ruhende Biege- und Torsionsbelastung handelt, gilt:
.
Daraus folgt:

Nun brauchen wir nur noch die zulässige Spannung des Bauteils als Vergleichswert. In der Aufgabe ist angegeben:
. Die Zugfestigkeit ist hier der Nennwert aus der Tabelle mit Werkstoffkennwerten:

Das Wellenmaterial ist C22E. Den
-Wert können wir nicht direkt ablesen, sondern benutzen die Formel

Aus der Tabelle:

Diagramm für den technologischen Größeneinflussfaktor:

Es ergibt sich ein Wert von
. Daraus folgt:

und somit:
in Ordnung
Bei dieser zulässigen Spannung kann davon ausgegangen werden, dass das Bauteil die Spannungen inklusive eventueller Sicherheiten erträgt.



Für C22E ist Re,N = 340 N/mm^2 , wir brauchen jedoch:
Rm = Rm,N * Cd,m, mit:
Rm,N = 500 N/mm^2
Cd,m = 0,85 (Aus Diagramm 1.11)
Rm= 425 N/mm^2
daher zulässige Spannung = 425 N/mm^2 * 0.8 = 340 N/mm^2
Danke für den Hinweis, wurde korrigiert.
Muss in einer Nachrechnung das Anstrengungsverhältnis nicht exakt berechnet werden?
Aussage der Übungsleiterin:
Schrauben sind so gut erforscht, dass man kein korrigiertes Anstrengungsverhältnis zu bestimmen braucht.
In 13.3 ist Ma berechnet worden, mit falschem dk
Danke, Fehler behoben.
Update:
von: Da der Kegel an jeder Stelle einen anderen Querschnitt hat
zu: Da die Schraube an jeder Stelle einen anderen Querschnitt hat
Laut Roloff/Matek berechnet sich dk für Sechskantschrauben zu: dk=1,3*d
Somit wäre dk=59,9mm
Da die Prüfung gerade vorbei ist, habe ich das Buch leider schon zurückgegeben^^
Aber so groß ist die Abweichung durch den anderen wirksamen Reibungsdurchmesser sowieso nicht, der geht ja auch nur mit dem Faktor 0,2 ein… ich kann mir gut vorstellen, dass in anderen Büchern dk=1,4*d benutzt wird.
Die Festigkeitsberechnung des Gewindezapfens muss an der schwächsten Stelle, also am Durchmesser der Gewinderille erfolgen.
Demzufolge ergeben sich ein anderes As und Wp und andere Spannungen.
P.S. Statt Gewinderille hätte ich besser Gewindefreistich (dg = d – 4,4 mm lt. DIN 76-1) schreiben sollen.
Servus,
in der Formel fehlt ein “=” vor dem Endwert.
Grüße
@ O-H: Kann sein, ich bin da nicht so der Experte. Hab es so gemacht wie in der Seminarübung.
@ yb: Habs geändert, danke für den Hinweis. Es wäre allerdings hilfreich gewesen, noch anzugeben, welche Formel gemeint ist