Der in der Abbildung dargestellte Stromkreis enthält zwei gleiche ohmsche Widerstände
und zwei gleiche Induktivitäten
. Er wird durch die Spannung
gespeist. Zum Zeitpunkt
fließe kein Strom.

a) Stellen Sie mit Hilfe der Kirchhoffschen Gesetze ein Differentialgleichungssystem zur Bestimmung der Ströme
und
auf.
b) Formulieren Sie einen Schritt des impliziten Euler-Verfahrens zur Lösung dieses Differentialgleichungssystems.
c) Entwerfen Sie ein einfaches Iterationsverfahren zur Lösung des Gleichungssystems aus b und untersuchen Sie dessen Konvergenz. Für welche Widerstandswerte konvergiert das Verfahren?
d) Testen Sie das Iterationsverfahren mit unterschiedlichen anfangswerten. Welche Werte sind sinnvoll?
e) Wie würden Sie bei einem nichtlinearen Differentialgleichungssystem vorgehen?
Lösung
Kirchhoffsches Gesetz
(Knotenregel): In einem Knotenpunkt eines elektrischen Netzwerkes ist die Summe der zufließenden Ströme gleich der Summe der abfließenden Ströme.
(Maschenregel): In jeder Masche eines elektrischen Netzwerks ist die Summe der Spannungen gleich Null.
a )


Wir stellen um und bringen alles auf die rechte Seite, was nicht differenziert wird:


Nun schreiben wir das Gleichungssystem in Matrixform auf:


b )
Für jedes numerische Verfahren muss man diskretisieren. In diesem Fall hängt die Stromstärke von der Zeit ab, wir diskretisieren daher die Zeitachse:

Anschließend approximieren wir:

Implizites Eulerverfahren:


Erinnerung: Explizites Eulerverfahren: 
In unserem Fall (implizites Eulerverfahren) ist
![Rendered by QuickLaTeX.com {x_{k+1}} = {x_k}+\tau \left[ {\left( {\begin{array}{*{20}{c}} {-\frac{R} {L}} & {\frac{R} {L}} \\ {\frac{R} {L}} & {-\frac{{2R}} {L}} \\ \end{array} } \right){x_{k+1}}+\left( {\begin{array}{*{20}{c}} {\frac{U} {L}} \\ 0 \\ \end{array} } \right)} \right]\quad \quad \quad \left( * \right)](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-ba721544a90cd99b33b5d4b9436339dc_l3.png)
Dies könnte man direkt lösen, indem man nach
umstellt. Wir suchen aber ein iteratives Verfahren:
c )
Gesucht: Iterationsvorschrift
mit
, denn die gesuchte Lösung muss immer ein Fixpunkt der Iterationsfunktion sein.
Dazu nötig: Iterationsverfahren: 
Einfachste Variante:
ist die rechte Seite von
:
![Rendered by QuickLaTeX.com x_{k+1}^{\left( {j+1} \right)} = {x_k}+\tau \left[ {\left( {\begin{array}{*{20}{c}} {-\frac{R} {L}} & {\frac{R} {L}} \\ {\frac{R} {L}} & {-\frac{{2R}} {L}} \\ \end{array} } \right)x_{k+1}^{\left( j \right)}+\left( {\begin{array}{*{20}{c}} {\frac{U} {L}} \\ 0 \\ \end{array} } \right)} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-69b8e450b9ee1af97fab8a01db02aa7f_l3.png)
Das Verfahren konvergiert, wenn
. (vergleiche Vorlesung Satz 2.3)
In diesem Fall lautet die Ableitung der Matrixfunktion:
![Rendered by QuickLaTeX.com {\Phi ^\prime } = {\left\{ {{x_k}+\tau \left[ {\left( {\begin{array}{*{20}{c}} {-\frac{R} {L}} & {\frac{R} {L}} \\ {\frac{R} {L}} & {-\frac{{2R}} {L}} \\ \end{array} } \right)x_{k+1}^{\left( j \right)}+\left( {\begin{array}{*{20}{c}} {\frac{U} {L}} \\ 0 \\ \end{array} } \right)} \right]} \right\}^\prime } = \tau \left( {\begin{array}{*{20}{c}} {-\frac{R} {L}} & {\frac{R} {L}} \\ {\frac{R} {L}} & {-\frac{{2R}} {L}} \\ \end{array} } \right)](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-8ecc75d2d295b60aa312f3157dc63fc6_l3.png)
Die Matrixnorm von dieser Ableitung ist:

Die Schrittweite
muss also entsprechend klein gewählt werden:

Nun brauchen wir noch ein Abbruchkriterium. Wir wissen:

e )
Auch bei nichtlinearen DGL-Systemen kann als Iterationsvorschrift die rechte Seite des Gleichungssystems benutzt werden.


