Im letzten Artikel wurde damit begonnen, die Differentialgleichung der Saitenschwingung zu lösen. Mit den Randbedingungen konnten allerdings nur zwei der Unbekannten bestimmt werden. Um das Problem vollständig lösen zu können, müssen wir noch die Anfangsbedingungen betrachten. Um die dabei durchgeführte Rechnung nachvollziehen zu können, benötigen wir einige Informationen über die Orthogonalität der Eigenfunktionen. Diese Beziehungen sollen in diesem Artikel erläutert werden.
Die Differentialgleichung der Saitenschwingung lautet für qz = 0

und hat die Gesamtlösung

mit den Ableitungen

und

Einsetzen in die Differentialgleichung:


Wir teilen auf beiden Seiten in der Summe durch den identischen Ausdruck in der Klammer:

Was für die gesamte Summe gilt, muss auch für jedes einzelne Glied der Summe gelten, wir lassen daher das Summenzeichen weg:

Dies entspricht der örtlichen DGL. Da wir das Verhalten von miteinander kombinierten Eigenfunktionen testen wollen, multiplizieren wir auf beiden Seiten mit
Über die gesamte Länge l der Saite integriert liefert dies

Die linke Seite wird partiell integriert und es werden die Randbedingungen der beidseitig festgehaltenen Saite eingesetzt, so dass man

erhält.
![Rendered by QuickLaTeX.com \int_0^l {S \underbrace {\hat w_j ^{\prime\prime} }_{g^{\prime} }\underbrace {\hat w_k }_f dx} = S\left[ {\left. {\hat w_k \hat w_j^{\prime} } \right|_0^l -\int_0^l {\hat w_j^{\prime} \hat w_k^{\prime} } dx} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-705127ee8dd4d77ab7ce374001fdc87c_l3.png)
Randbedingungen einsetzen:

Ergebnis:
Für zwei verschiedene Eigenkreisfrequenzen
muss gelten:


Wir subtrahieren die Gleichungen voneinander und erhalten:

Da für unterschiedliche Werte k ≠ j gilt

folgt daraus, dass der andere Faktor 0 werden muss:

Dieses Ergebnis setzen wir oben in die integrierten Gleichungen ein:


Für zwei gleiche Eigenkreisfrequenzen (k = j) gilt:

In diesen Beziehungen können prinzipiell die Vorspannkraft S und die Massenbelegung μ vom Ort abhängig sein. Nimmt man beide als konstant an, so lassen sie sich vor das Integral ziehen.
Das Ergebnis der Orthogonalitätsbeziehungen ist dann:

Bei der beidseitig festgehaltenen Saite gilt immer:
Also:
Eine Eigenfunktion mit einer anderen multipliziert und über die Saite integriert ergibt 0.
Mit sich selber multipliziert und integriert ergibt sich ein endlicher Wert ungleich 0, bei der Saite l/2.


