Es ist ein einstufiges Stirnradgetriebe mit Schrägverzahnung und Profilverschiebung zu berechnen.

Gegeben
Antriebsleistung:
Anwendungsfaktor:
Antriebsdrehzahl:
Soll-Abtriebsdrehzahl:
Ritzelzähnezahl:
Normalmodul:
Normaleingriffswinkel:
Schrägungswinkel:
Geforderter Achsabstand:
Aufgaben
28.1 – Legen Sie die Zähnezahlen von Ritzel und Rad fest und berechnen Sie die daraus resultierenden Ersatzzähnezahlen
28.2 Verzahnungsgeometrie
28.2.1 – Bestimmen Sie Teil- und Grundkreisdurchmesser sowie Null-Achsenabstand des Getriebes.
28.2.2 – Bestimmen Sie die Profilverschiebungsfaktoren sowie den sich dann ergebenden Kopfkreisdurchmesser.
28.2.3 – Legen Sie die Verzahnungsbreite fest.
28.2.4 – Berechnen Sie Profil- und Sprungüberdeckung der Verzahnung
28.3 – Tragfähigkeit
28.3.1 – Berechnen Sie das an- und Abtriebsmoment des Getriebes sowie die sich hieraus ergebenden Zahnkräfte
28.3.2 – Bestimmen Sie die Zahnfußspannung und Flankenpressung an den beiden Zahnrädern.
28.3.3 – Wählen Sie für beide Zahnräder einen geeigneten Werkstoff aus
Lösung
In dieser Aufgabe steht der Index 1 immer für das Ritzel und der Index 2 immer für das Rad. Wir wiederholen zunächst ein paar Gegebenheiten der Zahnradgeometrie von Stirnrädern.
Geometrie der Geradstirnräder
Begriffe und Bestimmungsgrößen
Ein außenverzahntes Geradstirnrad mit Evolventenverzahnung sieht wie folgt aus:

Die Zähnezahl
ist die auf dem vollen Radumfang ganzzahlig aufgehende Anzahl der Zähne.
Die Zahnbreite
ist der Abstand der beiden Stirnflächen.
Die Teilung
ist der Abstand einer rechten Zahnflanke zur nächsten rechten Zahnflanke.
Der Teilkreisdurchmesser
ist der Durchmesser, an dem Zähne und Lücken gleich dick sind.
Die Zahndicke
und die Lückenweite
ergänzen sich zu
.
Der Zahndicken-Halbwinkel
ist das Verhältnis der Zahndicke am Teilkreis zu
.
Die Eingriffsteilung
ist die Entfernung der Eingriffspunkte benachbarter Zahnflanken.
Für ein gutes Zusammenarbeiten zweier Zahnräder muss
übereinstimmen!
Verzahnungsmaße der Nullräder
Ein Null-Radpaar sieht wie folgt aus:

Wird bei der Erzeugung der Verzahnung die Profilbezugslinie des Werkzeuges auf dem Teilkreis abgerollt, entsteht ein Zahnrad mit Nullverzahnung. Die Wälzgerade M-M fällt dann mit der Profilbezugslinie P-P zusammen. Hat das Gegenrad ebenfalls Nullverzahnung, so ist der Betiebseingriffswinkel gleich dem Erzeugungseingriffswinkel
und die Erzeugungs-Wälzkreise gleich Teilkreise sind auch Betriebswälzkreise, die sich im Wälzpunkt C berühren.
Zahnabmessungen:
Zahnkopfhöhe: 
Zahnfußhöhe: 
Die Übersetzung ist das Verhältnis der Teilkreisdurchmesser und damit auch das Zähnezahlverhältnis.
Eingriffsstrecke, Profilüberdeckung
Um eine gleichförmige Kraft- und Bewegungsübertragung eines außenverzahnten Null-Radpaares zu gewährleisten, muss bereits ein neuer Zahn im Eingriff sein, wenn der vorhergehende Zahn außer Eingriff kommt, d.h. es muss stets das ausgenutzte Stück der Eingriffslinie n-n, die Eingriffsstrecke
größer als die Eingriffsteilung
sein. Es gilt für die Eingriffsstrecke:

Das Verhältnis der Eingriffsstrecke zur Eingriffsteilung ist die Profilüberdeckung:

Die Profilüberdeckung ist der zeitliche Mittelwert der Anzahl der im Eingriff befindlichen Zahnpaare. Mit Rücksicht auf Toleranzen und Verformungen sollte gelten:

oder möglichst

Wenn
ist, bedeutet das anschaulich, dass während der Eingriffsdauer eines Zahnpaares zu 25% der Zeit ein zweites Zahnpaar im Eingriff ist.
Profilverschiebung (Geradverzahnung)
Das Unterschreiben einer bestimmten Zähnezahl, der Grenzzähnezahl
, führt beim Erzeugen der Verzahnung eines Null-Rades zu Unterschnitt an den Zahnflanken. Dadurch verkürzt sich die Eingriffsstrecke und damit die Profilüberdeckung. Gleichzeitig werden der Zahnfuß geschwächt und die Bruchgefahr vergrößert.

Die theoretische Grenzzähnezahl in Abhängigkeit vom Eingriffswinkel ist:

Eine wirkliche Gefährdung des Eingriffsverhältnisse ergibt sich jedoch erst bei der praktischen Grenzzähnezahl
. Beim Zusammenarbeiten eines Ritzels mit
und eines Rades mit
kann
und
werden. Die Bewegungsübertragung wird dann ungleichmäßig. Zur Vermeidung von Unterschnitt könnten die Zähne verkürzt oder der Eingriffswinkel vergrößert werden. Dies würde allerdings ein anderes Werkzeug erfordern und ist nicht wirtschaftlich. Stattdessen verwendet man eine Profilverschiebung. Es kann dadurch der Achsabstand, die Tragfähigkeit und die Profilüberdeckung variiert werden.

Dargestellt ist ein Rad mit positiver Profilverschiebung. Zur Herstellung muss das Werkzeug (Profilbezugslinie P-P) um einen bestimmten Betrag
vom Teilkreis verschoben werden. Es können so
und
Räder erzeugt werden:

Geometrie der Schrägstirnräder
Grundformen und Schrägungswinkel
Die Zähne sind auf dem Radzylinder schraubenförmig gewunden. Der Flankenlinienverlauf in der Wälzebene ist durch den Schrägungswinkel
bestimmt. Bei der Paarung von Schrägstirnrädern müssen die Zähne des einen Rades rechtssteigend, die des Gegenrades linkssteigend bei gleichem Steigungswinkel ausgeführt sein.
Vorteile:
- Ruhigerer Lauf, da Eingriff und Ablösung allmählich erfolgen und mehr Zähne gleichzeitig im Eingriff sind
- Für höhere Drehzahlen geeignet
- Schrägzähne sind höher belastbar
Nachteile:
- Durch die Schrägung entstehen unter Belastung Axialkräfte
- Zusätzliche Belastung für Welle und Lager
- Höhere Reibung, geringerer Wirkungsgrad
- Bei gleicher Zähnezahl größerer Durchmesser
Verzahnungsmaße
Bei Schrägverzahnung muss man zwischen dem für die Eingriffsverhältnisse maßgebendem Stirnschnitt senkrecht zur Radachse und dem für die Herstellung und das Werkzeug maßgebendem Normalschnitt senkrecht zu den Flankenlinien unterscheiden. Das Stirnprofil zeigt reine Evolventen, das Normalprofil nur angenähert. Es gilt der Zusammenhang:

Eingriffsverhältnisse, Gesamtüberdeckung
Hier eine Grafik mit dem Sprung
und den verschiedenen Schnitten:

Um die Gesamtüberdeckung zu berechnen, müssen wir zwei Teile addieren. Die Profilüberdeckung ist die gleiche wie bei der Geradverzahnung:

Dazu kommt die Sprungüberdeckung:

Profilverschiebung (Schrägverzahnung)
Es gilt im Prinzip das Gleiche wie bei der Geradverzahnung. Statt mit dem Schrägstirnrad rechnen wir mit einem Ersatzrad. Dieses Ersatzrad hat bei einer Zähnezahl
des Schrägstirnrades die Ersatzzähnezahl

Wir kommen nun zur Beantwortung der Aufgabenstellung.
28.1 – Zähnezahlen von Ritzel und Rad und Ersatzzähnezahlen
Das Verhältnis von Antriebsdrehzahl und gewünschter Abtriebsdrehzahl ist die Soll-Übersetzung:

Wir wollen nun die Zähnezahlen des Ritzels und des Rades festlegen. Lauf Aufgabenstellung ist die Zähnezahl des Ritzels
. Dies müssen wir so übernehmen, auch wenn eine Primzahl besser gewesen wäre.
Die geforderte Zähnezahl des Rades können wir mit Hilfe des geforderten Übersetzungsverhältnisses festlegen:
Wir wählen die Primzahl: 
Die Ist-Übersetzung ergibt sich damit zu
Daraus folgt die Ist-Abtriebsdrehzahl:
in Ordnung, sollte im Bereich [198, 202] liegen!
Wir bestimmen nun die Ersatzzähnezahl. Es gilt die in der Einleitung erwähnte Formel:
Dabei ist
der Schrägungswinkel am Grundkreis. Für diesen gilt:
Daraus folgen die Ersatzzähnezahlen für Ritzel und Rad:


Wir können hier mit den Kommastellen weiterrechnen, da dieser Werte theoretischer Natur sind und nicht gefertigt werden müssen.
28.2.1 – Teil- und Grundkreisdurchmesser, Null-Achsenabstand
Die Formel für den Teilkreisdurchmesser lautet:
Daraus berechnen wir den Grundkreisdurchmesser:

Den hier außerdem noch benötigten Stirneingriffswinkel
können wir aus dem Normaleingriffswinkel und dem Schrägungswinkel berechnen:
Damit folgt:
Ritzel: 
Rad:
Der Null-Achsabstand ist der Mittelwert der beiden Teilkreisdurchmesser:
28.2.2 – Profilverschiebungsfaktoren und Kopfkreisdurchmesser
Wir wollen die Profilverschiebungsfaktoren für das Ritzel und für das Rad bestimmen. Dazu bestimmen wir zuerst die Summe der Faktoren, dann mit einem Diagramm den Faktor für das Ritzel. Der Rest ist der Faktor für das Rad.
Dazu betrachten wir folgendes Diagramm:

Wir müssen den Mittelwert der Profilverschiebungsfaktoren und den Mittelwert der Zähnezahlen der Ersatzzahnräder bestimmen.
Summe der Profilverschiebungsfaktoren:
steht für die Evolventenfunktion, siehe unten. Hier müssen die echten Zähnezahlen benutzt werden und nicht die der Ersatzzahnräder.
Wir bestimmen zunächst den Betriebseingriffswinkel:
Mit
erhalten wir:


Evolventenfunktion
Allgemein gilt:
hier:


damit erhalten wir schließlich die Summe der Profilverschiebungsfaktoren:


Mittlerer Profilverschiebungsfaktor:

Zähnezahlsumme der Ersatzzahnräder:

Mittlere Zähnezahl:

Wir können nun im oben gezeigten Diagramm den Profilverschiebungsfaktor für das Ritzel bestimmen. Dazu zeichnen wir zunächst die mittlere Ersatzzähnezahl und den mittleren Profilverschiebungsfaktor ein (blau). Außerdem zeichnen wir die Ersatzzähnezahl des Ritzels und die des Rades ein (grün):

Nun zeichnen wir eine Gerade von der linken zur rechten grünen Linie, die durch den Schnittpunkt der blauen Linien geht. Die Steigung wählen wir dabei so, dass sie die der darüber liegenden und der darunter liegenden schrägen schwarzen Linie interpoliert (orange):

Jetzt müssen wir nur noch vom Schnittpunkt der orangen Linie mit der linken grünen Linie waagerecht nach links gehen und können dort den Wert für den Profilverschiebungsfaktor des Ritzels ablesen. Es folgt:


Die tatsächliche Profilverschiebung ergibt sich als das Produkt aus Profilverschiebungsfaktor und Modul:
für das Ritzel :
für das Rad: 
Wir berechnen nun den Kopfkreisdurchmesser mit Kopfhöhenänderung:

Kopfhöhenänderungsfaktor:

Dabei ist
der Achsabstand und
der Nullachsabstand. Es ergibt sich:

Damit folgt für die Kopfkreisdurchmesser:




Diese Formel gilt nur, wenn die Kopfhöhenänderung ungefähr dem Modul entspricht. Davon können wir aber im Rahmen der Vorlesung und Seminarübung immer ausgehen. Wenn wir mit Profilverschiebung rechnen, ändert sich der Kopfkreis. Teil- und Grundkreis ändern sich nicht, es kommt nur noch der Wälzkreis dazu. Wälzkreis und Teilkreis haben unterschiedliche Durchmesser, nur bei Nullverzahnung fallen sie zusammen.
28.2.3 – Verzahnungsbreite
Annahmen:
- Stahlkonstruktion
- Symmetrische Lagerung
- nitriert
- DIN IT8
Es müssen zwei Bedingungen erfüllt werden.
1. Durchmesser-Breitenverhältnis:

2. Breiten-Modulverhältnis:

Die erste Bedingung ergibt:

Die zweite Bedingung ergibt:

Die beiden Bedingungen lassen sich nicht gleichzeitig erfüllen. In so einer Situation benutzt man immer den kleineren Wert, daher wählen wir:

28.2.4 – Profil- und Sprungüberdeckung
Die Formel für die Profilüberdeckung lautet:

Die Werte haben wir fast alle schon in früheren Aufgabenteilen berechnet:
(Modul im Stirnschnitt, 28.2.2)

(Betriebseingriffswinkel, 28.2.2)
(Stirneingriffswinkel, 28.2.1)


(Kopfkreisdurchmesser, 28.2.2)


(Fußkreisdurchmesser, 28.2.1)
(geforderter Achsabstand, Aufgabenstellung)
Es ergibt sich:


Sprungüberdeckung:

: gemeinsame Breite (Überdeckung) der Zahnräder, ist die berechnete Breite.
: Normalmodul (gegeben)
28.3.1 – An- und Abtriebsmoment und Zahnkräfte
Für das Antriebsmoment des Ritzels gilt (da die Drehzahl in min-1 angegeben ist):

Wir gehen dabei von einem Wirkungsgrad von 1 des Getriebes aus. Daher ist das Abtriebsmoment:

Da wir mit WK 1 rechnen, müssen auch hier wieder die Kräfte an beiden Zahnrädern gleich sein. Es reicht daher, sie für ein Zahnrad zu berechnen.
Umfangskraft:

: Wälzkreisdurchmesser (bei Profilverschiebung ist das da, wo die Kraft angreift)
Für das Ritzel:

Für das Rad:

Daraus folgt:

Für die Radialkraft benutzen wir eine Näherungsformel aus dem Skript:

Axialkraft:

28.3.2 – Zahnfußspannung und Flankenpressung
Formel für die Zahnfußspannung:

Die drei y-Faktoren sind dabei Kopffaktor, Überdeckungsfaktor und Schrägungsfaktor.
Wir betrachten das folgende Diagramm (Kopffaktor für Außenverzahnung nach DIN 3990)

Um einen Wert abzulesen, brauchen wir die die Zähnezahl
und den Profilverschiebungsfaktor
:




Kopffaktor für das Ritzel: 
Kopffaktor für das Rad: 
Profilüberdeckung im Normalschnitt (Formel aus [RM]):

Überdeckungsfaktor:

Schrägungsfaktor:

Die Werte werden dabei in die Grenzen beschränkt:



Wir können nun alles einsetzen und die Zahnfußspannungen bestimmen:


Die Zahnfußspannungen sind hier ungefähr gleich, da die Kopffaktoren auch nur kleine Unterschiede haben.
Überhöhte Zahnfußspannung:

Anwendungsfaktor:
(Aufgabenstellung)
Dynamikfaktor:

Für die beiden Hilfswerte betrachten wir folgende Tabelle:

Bei einer Schrägverzahnung der Verzahnungsqualität DIN IT8 erhalten wir:


Der dritte Hilfswert:

Die Umfangsgeschwindigkeit ist dabei:

Daraus folgt:

Linienbelastung:

Damit folgt für den Dynamikfaktor:

Wir betrachten nun die folgende Tabelle:

Stirnfaktor:

Der Breitenfaktor ist wie immer
.

Daraus ergeben sich die Zahnfußspannungen:


Nominelle Flankenpressung:

u ist das Zähnezahlverhältnis (große Zähnezahl durch die kleine Zähnezahl). i ist das Übersetzungsverhältnis (Abtrieb durch Antrieb).
Zonenfaktor:
Wir betrachten folgendes Diagramm:

Mit

und dem gegebenen Schrägungswinkel
erhalten wir:

Elastizitätsfaktor:
Wir betrachten folgende Tabelle:

Bei Stahl ergibt sich:

Überdeckungsfaktor:
Wir betrachten folgendes Diagramm:



Daraus ergibt sich (siehe gestrichelte Linie):

Schrägungsfaktor:

Damit ergibt sich für die nominelle Flankenpressung:

Überhöhte Flankenpressung:

Mit dem gesamten Faktor:

Die ersten beiden Faktoren haben wir bereits bestimmt.
Für den Stirnfaktor ergibt sich aus der Tabelle oben: 
Der Breitenfaktor ist auch hier
.
Damit ergibt sich für den Gesamtfaktor:

Die überhöhte Flankenpressung ist dann:

28.3.3 – Auswahl der Werkstoffe
Mindestsicherheit gegen Zahnbruch ist laut [RM]:

Erforderliche zulässige Zahnfußspannung:


Mindestsicherheit gegen Grübchenbildung ist laut [RM]:

Erforderliche zulässige Flächenpressung:

Wir müssen gehärtete nitrierte Werkstoffe wählen. Wir betrachten die folgende Tabelle:

Für die zulässige Flächenpressung von 1160 gibt es oben in der Tabelle passende Werkstoffe. Diese sind allerdings nicht nitriert. Weiter unten finden wir (Nummer 23) den nitrierten Einsatzstahl 31CrMoV9. Diesen wählen wir.
Der gewählte Werkstoff hat die zulässige Zahnfußbiegespannung

und die zulässige Flächenpressung (Hertzsche Pressung)




Update: Formel Kopfkreisdurchmesser und Kopfhöhenänderungsfaktor korrigiert.