Die skizzierte Saite ist mit der Massenbelegung μ und der Vorspannkraft S gegeben. Die Saite wird an der Stelle x = a um den Betrag b ausgelenkt.

Berechnen Sie
- die Eigenfrequenzen
- die dazugehörenden Eigenfunktionen
- die Amplituden der zu den ersten fünf Eigenfrequenzen gehörenden Eigenformen für
Gegeben: S, L, b, µ = ρ A
Lösung
DGL der Saite:

Für eine freie Schwingung ist die anregende Kraft gleich 0. Es folgt:

Dabei ist S die Vorspannkraft der Saite, µ die Massenbelegung der Saite (Masse pro Länge) und cs die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Transversalwellen in der Saite.
Wir nutzen den Produktansatz von Bernoulli und erzeugen eine Funktion, die ein Produkt aus einer Zeit- und einer Ortsfunktion ist:

Die Funktion können wir sowohl nach dem Ort als auch nach der Zeit zwei Mal ableiten. Der andere Faktor bleibt dabei jeweils konstant:

wir setzen in die vereinfachte Differentialgleichung ein und bringen Zeit- und Ortsabhängige Terme jeweils auf eine Seite (Separation der Variablen):

Schlussweise von Bernoulli
Nach Bernoulli kann in dieser Produktfunktion die zeitabhängige Seite nur immer gleich der ortsabhängigen sein, wenn beide konstant sind:

Daraus folgen die beiden Beziehungen

und

Wir setzen nun für die Wellenzahl kj:

eingesetzt:

Die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist ungleich 0, daher dividieren wir und lösen auf:

Wir erhalten somit zwei Differentialgleichungen vom selben Typ:


Allgemeine Lösung:


Daraus folgt, wenn wir die beiden Funktionen wieder zusammenmultiplizieren:
![Rendered by QuickLaTeX.com w_j = \hat w_j T_j = \left[ {A_j \cos \left( {\omega _j t} \right)+B_j \sin \left( {\omega _j t} \right)} \right]\left[ {C_j \cos \left( {k_j x} \right)+D_j \sin \left( {k_j x} \right)} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-ddce87dd5a82b94b12db91d2cae6f844_l3.png)
Die Gesamtlösung ist die Summe der Einzellösungen:
![Rendered by QuickLaTeX.com w\left( {x,t} \right) = \sum\limits_{j = 1}^\infty {\hat w_j T_j } = \sum\limits_{j = 1}^\infty {\left[ {A_j \cos \left( {\omega _j t} \right)+B_j \sin \left( {\omega _j t} \right)} \right]\left[ {C_j \cos \left( {k_j x} \right)+D_j \sin \left( {k_j x} \right)} \right]}](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-7d0545b34d11d5b5492351cae560caae_l3.png)
Berücksichtigung der Randbedingungen (RB)

Lagerung: fest-fest, die Auslenkung an beiden Enden ist also 0


Aus der zweiten Randbedingung folgen unterschiedliche Werte für die Konstanten. Triviale Lösung:

oder Eigenwertgleichung:

Der Sinus hat seine Nullstellen bei Vielfachen von Pi:

Damit erhalten wir für die Wellenzahlen kj:

Daraus folgt die Eigenkreisfrequenz:

Die Eigenfrequenz ist dann

b )

Normierung auf Amplitude Dj = 1
Eigenschwingformen:

c )
Wir haben für die Auslenkung berechnet:
![Rendered by QuickLaTeX.com w\left( {x,t} \right) = \sum\limits_{j = 1}^\infty {\left[ {\underbrace {A_j D_j }_{A_j^* }\cos \left( {\omega _j t} \right)+\underbrace {B_j D_j }_{B_j^* }\sin \left( {\omega _j t} \right)} \right]\sin \left( {j\pi \frac{x} {L}} \right)}](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-8c8293e5774e7dc89cce97fe8ffa638b_l3.png)
Berücksichtigung der Anfangsbedingungen
Es soll eine Funktion für die Auslenkung gefunden werden. Betrachten wir folgendes Bild, sehen wir, dass die Funktion stückweise linear ist:

Wir schreiben für die Funktion:

![Rendered by QuickLaTeX.com w\left( {x,t} \right) = \sum\limits_{j = 1}^\infty {\left[ {A_j^* \cos \left( {\omega _j t} \right)+B_j^* \sin \left( {\omega _j t} \right)} \right]\sin \left( {j\pi \frac{x} {L}} \right)}](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-4d50d07037b2724e55f1245bab501678_l3.png)

Um auch die Anfangsgeschwindigkeit betrachten zu können, leiten wir ein mal nach der Zeit ab:
![Rendered by QuickLaTeX.com \dot w\left( {x,0} \right) = \sum\limits_{j = 1}^\infty {\left[ {-\omega _j A_j^* \sin \left( {\omega _j \cdot 0} \right)+\omega _j B_j^* \cos \left( {\omega _j \cdot 0} \right)} \right]\sin \left( {j\pi \frac{x} {L}} \right)}](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-abe1e7a65415e790c860ba1d10470e0d_l3.png)

Da die Saite zum Zeitpunkt t = 0 festgehalten wird und sich nicht bewegt, ist die erste Ableitung überall (für jedes x) = 0:

Die Anfangsauslenkung müssen wir nun noch etwas aufwändiger betrachten, um das A* bestimmen zu können:

Wir multiplizieren zunächst mit einem weiteren Sinusterm. Das k ist dabei ein bestimmter Index, also einer der Werte, die j annimmt:

In der Summe steht also das Produkt aus zwei Eigenfunktionen. Wir integrieren über die gesamte Saite, um die Orthogonalitätsbeziehungen nutzen zu können:

Aufgrund der Orthogonalität folgt nun

Da die Funktion zum Zeitpunkt 0 stückweise linear ist, teilen wir das Integral am Kraftangriffspunkt auf:
![Rendered by QuickLaTeX.com A_j^* = \frac{2} {L}\left[ {\int_0^a {\frac{b} {a}x \cdot \sin \left( {k\pi \frac{x} {L}} \right)dx} +\int_a^L {\frac{b} {{L-a}}\left( {L-x} \right) \cdot \sin \left( {j\pi \frac{x} {L}} \right)dx} } \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-204cf1ca00c323330682fc2125b30cc7_l3.png)
Die beiden Integrale lösen wir zunächt allgemein in einer Nebenrechnung:
![Rendered by QuickLaTeX.com = \left[ {g\left( x \right)\left( {-\frac{1} {p}\cos \left( {px} \right)} \right)} \right]_q^s +\left[ {g^{\prime} \left( {\frac{1} {{p^2 }}\sin \left( {px} \right)} \right)} \right]_q^s](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-688aa40232303af0d22a02ffcfa3054e_l3.png)
Auf unseren Fall angewandt bedeutet das:
![Rendered by QuickLaTeX.com A_j^* = \frac{2} {L}\left[ {-\frac{b} {{\frac{{j\pi }} {L}}}\cos \left( {j\pi \frac{a} {L}} \right)+\frac{b} {{a\left( {\frac{{j\pi }} {L}} \right)^2 }}\sin \left( {\frac{{j\pi a}} {L}} \right)+\frac{b} {{\frac{{j\pi }} {L}}}\cos \left( {\frac{{j\pi a}} {L}} \right)+\frac{b} {{\left( {L-a} \right)\left( {\frac{{j\pi }} {L}} \right)^2 }}\sin \left( {\frac{{j\pi a}} {L}} \right)} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-e1b61537f6d5c9c08737f60777da2035_l3.png)
c )
Mit der eben bestimmten Formel lassen sich nun die Amplituden für bestimmte Eigenformen bestimmen. Die Werte Aj* werden dabei jeweils bis zu einem bestimmten Entwicklungspunkt j entwickelt (hier bis zum 5. Glied) und aufsummiert.
Für a = L/2 folgt:





Die Formel für die Reihenentwicklung ist:

wir setzen die ersten fünf Werte für A ein:
![Rendered by QuickLaTeX.com w\left( {x,t} \right) = \frac{{8b}} {{\pi ^2 }}\left[ {\cos \left( {\pi \frac{{c_s }} {L}t} \right)\sin \left( {\pi \frac{x} {L}} \right)-\frac{1} {9}\cos \left( {3\pi \frac{{c_s }} {L}t} \right)\sin \left( {3\pi \frac{x} {L}} \right)+\frac{1} {{25}}\cos \left( {5\pi \frac{{c_s }} {L}t} \right)\sin \left( {5\pi \frac{x} {L}} \right)} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-0c47645f9362f1672cec687c1d011dea_l3.png)
Ebenso verfahren wir für a = L / 3 und a = L / 4. Wir erhalten den folgenden Graphen:



