1.1 – Digital vs. Analog
Ein zeitkontinuierlicher Regler mit Übertragungsfunktion
ist realisierbar als elektronische Analogschaltung (Widerstände, Kapazitäten, Operationsverstärker, …) oder mit Hilfe eines Digitalrechners (Mikrocontroller, Mikroprozessoren). Die beiden Möglichkeiten sind nachfolgend skizziert.
Analog:

Digital:

Analogschaltungen sind schlecht anpassbar. Sie können nur für einen festen Satz von Parametern zusammengelötet werden. Bei Digitalrechnern ist die Hardware universell einsetzbar, es können daher große Stückzahlen produziert werden. Eine Änderung des Regelgesetzes ist durch Änderung der Software möglich, die Hardware bleibt identisch.
Der Digitalrechner braucht vom Rückführzweig zu diskreten Zeitpunkten digitale (d.h. als Binärzahlen darstellbare) Zahlen und macht daraus gemäß Regelgesetz digitale Stellgrößenwerte.
1.2 Signalweg durch den Rückführzweig
Der Sensor erfasst die zeitkontinuierliche Messgröße
, häufig als Spannung. Ein Analog/Digital-Wandler macht daraus eine Binärzahl
(i.a. eine Sequenz von 8, 16, 32 oder 64 Bits).
Es sind nur diskrete Werte darstellbar, daher gibt es eine Quantisierung des Raumes
möglicher Messwerte:

Moderne A/D-Wandler haben eine hohe Auflösung von meist mehr als 16 Bit. Die Diskretisierung ist daher so fein, dass Quantisierungseffekte gering sind und hier nicht weiter behandelt werden.
Die A/D-Wandlung wiederholt sich alle T Sekunden (äquidistante Abtastung). T ist dabei die Abtastzeit (sampling time). Der A/D-Wandler dient als Abtaster (sampler).

Wir erhalten eine Wertefolge 
Die Abtastrate
entspricht der Anzahl der Abtastungen pro Sekunde und wird in Hertz (Hz) gemessen. Die zugehörige Abtastkreisfrequenz ist

1.3 Aliasing-Effekt
Sehr viele Funktionen erzeugen dieselbe Folge von Abtastwerten. Als Beispiel betrachten wir sinusförmige Signale:


Dabei ist
.
Wir betrachten hier speziell den Fall


Diese Reduktion der Frequenz des Signals durch den Abtastvorgang nennt man in der Regelungstechnik Aliasing. Damit Aliasing nicht auftreten kann, muss die Abtastung schnell sein im Vergleich zu den im Signal
enthaltenen Sinusfunktionen, d.h.
muss größer sein als das doppelte der höchsten in
auftretenden Kreisfrequenz
:

Dies wird auch als Abtasttheorem nach Shannon bezeichnet (nähere Informationen dazu bei der Fourieranalyse / Spektraltransformation). Die Anwendung des Abtasttheorems ist in der Regelungstechnik schwierig, da wichtige Signale nicht bandbegrenzt sind.
Konsequenzen des Aliasing-Effektes für den Regelkreis:
Aus Messungen, die besagen, dass
, kann nicht geschlossen werden, dass gilt:
, denn es könnten versteckten Schwingungen auftreten, wie z.B. im folgenden Fall in der unteren Abbildung (abklingende Schwingung):

Auf solche versteckte Schwingungen kann der Regler nicht reagieren. In diesem Fall wäre das nicht so schlimm, da die Schwingung abklingt (stabile Mode). Der gleiche Effekt könnte aber auch bei einer stärker werdenden Schwingung auftreten.
Ein weiteres Problem entsteht, wenn die Regelstrecke Tiefpasscharakter hat:

Ein hochfrequentes Messrauschen wäre im kontinuierlichen Regelkreis nicht wirksam. Durch Aliasing wird aber eventuell das hochfrequente Rauschen in ein Störsignal mit niedrigerer Frequenz umgewandelt. Das kann sich auf die Regelstrecke auswirken. Abhilfe schafft ein Antialiasing-Filter, der Anteile oberhalb der halben Abtastfrequenz wegfiltert:

Folgende Eigenschaften von Abtastsystemen sind ersichtlich:
- Ein (totzeitfreies) kontinuierliches Modell n-ter Ordnung bleibt bei der zeitdiskreten Betrachtungsweise ein System n-ter Ordnung.
- Das zeitdiskrete Modell beschreibt das Verhalten des kontinuierlichen Systems an den Abtastzeitpunkten
exakt. - Die Parameter des zeitdiskreten Systems sind von der Abtastzeit
abhängig. Ändert man also im Laufe der Analyse und des Reglerentwurfs die Abtastzeit, so müssen die Modellparameter angepasst und die Analyse- und Entwurfsergebnisse entsprechend revidiert werden. - Die Matrix
ist für beliebige Abtastzeiten und beliebige Systemmatrizen regulär. Dies zeichnet Abtastsysteme als spezielle zeitdiskrete Systeme aus. Bei allgemeinen zeitdiskreten Systemen können die Parameter
hingegen beliebige Matrizen/Vektoren/Skalare sein.
1.4 Modellierung des zeitdiskreten Systems
Statt der kontinuierlichen Ausgangsfunktion haben wir nun eine diskrete Folge von Ausgangswerten:

Ebenso ersetzen wir das Referenzsignal
:

Der Regelfehler ist die Differenz zwischen Referenzsignal (gewünschter Wert) und Ausgangswert (tatsächlicher Wert der Variablen):

Ein Digitalrechner macht aus
(aktueller Fehlerwert) und
(vergangene Fehlerwerte) das aktuelle Stellsignal
. Dieses wird als Binärzahl berechnet und anschließend in ein Analogsignal umgewandelt, z.B. eine Spannung:

Ein digitaler Regelkreis ist eine Zusammenschaltung eines zeitkontinuierlichen Systems (Strecke) mit einem zeitdiskreten (Regler). Ziel ist die einheitliche Modellierung des Gesamtsystems. Wir beschreiben nun die Regelstrecke durch eine äquivalente zeitdiskrete Beschreibung (linear time invariant model), einen sogenannten diskreten Simulator.
Ausgangspunkt: LTI-Modell der Strecke:


Formale Lösung der Differentialgleichung (siehe Einleitung zu LTI Systemen im Zustandsraum):

Wir brauchen den Zustand
nur zu den Zeitpunkten
. Aufgrund des Haltegliedes gilt:
![Rendered by QuickLaTeX.com u\left( \tau \right) = {u_k},\quad \forall \tau \in \left[ {kT,\left( {k+1} \right)T} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-f0adf878f704ed91570e39476a02621a_l3.png)

Wir können daher die Folgeglieder iterativ berechnen:

Wir substituieren
:

Das durch Abtastung aus der zeitkontinuierlichen Strecke gewonnene System, das sogenannte Abtastsystem (Zustandsraummodell eines zeitdiskreten SISO-Systems (single input, single output)), lautet:


Der Anfangszustand
ist gegeben. Die Parameter
(Systemmatrix),
(diskreter Einkopplungsvektor),
(diskreter Auskopplungsvektor) und
ergeben sich aus Parametern des zeitkontinuierlichen Systems gemäß





[...] http://me-lrt.de/struktur-digitaler-regelkreis-signalweg-aliasing-modellierung Durch Aliasing wird aber eventuell das Hochfrequente Rauschen in ein Störsignal mit niedrigerer Frequenz umgewandelt. Das kann sich auf die Regelstrecke auswirken. Abhilfe schafft ein Antialiasing – Filter , der Anteile oberhalb der halben … [...]