0.2.1 Linearität
Ein System der Ordnung
sei in Form seiner Zustandsraumdarstellung gegeben:


Dabei ist
,
(d.h.
Eingangssignale),
(d.h.
Ausgangssignale).
Die Lösung der Zustands-DGL zur Zeit
hängt vom Anfangswert
und von der Eingangsgröße
ab. Wir drücken diese Abhängigkeit aus, indem wir schreiben:
Trajektorie im Zustandsraum: ![Rendered by QuickLaTeX.com {\vec x_{{{\vec x}_0},{{\vec u}_{\left[ {{t_0},t} \right]}}}}\left( t \right)](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-ae55414dbd697aa99cbf27ca28e4f9be_l3.png)
Da die Ausgangsgröße
ganz wesentlich von der Trajektorie abhängt, hängt sie damit ebenfalls vom Anfangszustand und der Eingangsgröße ab und wir schreiben:
![Rendered by QuickLaTeX.com {\vec y_{{{\vec x}_0},{{\vec u}_{\left[ {{t_0},t} \right]}}}}\left( t \right) = \vec h\left( {{{\vec x}_{{{\vec x}_0},{{\vec u}_{\left[ {{t_0},t} \right]}}}}\left( t \right),\vec u\left( t \right),t} \right)](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-6969eb45eef155ce22a52e7fc32193eb_l3.png)
Das System nennt man linear, wenn seine Ausgangsgröße für jeden beliebigen Anfangszeitpunkt und für alle zulässigen Eingangsgrößen zu jedem Zeitpunkt alle folgenden drei Bedingungen erfüllt:
- Nulleingangs-Linearität (Superpositionsprinzip für Anfangswerte):
- Null-Anfangszustands-Linearität (Superposition für Eingangsgrößen):
- Superpositionsprinzip hinsichtlich der Eingangsgrößen mit den Anfangswerten:

0.2.2 Zeitinvarianz
Wie ändert sich die Systemantwort (d.h. das Ausgangssignal), wenn ein ansonsten gleiches Eingangssignal statt zum Zeitpunkt
zu einem späteren Zeitpunkt
startet?
Definition: Das System in Zustandsraumdarstellung


heißt zeitinvariant, wenn für alle zulässigen Eingangsgrößen und jeden beliebigen Anfangszeitpunkt
für alle
gilt:
Falls
![Rendered by QuickLaTeX.com \left. {\begin{array}{*{20}{c}}{\vec x\left( {{t_0}} \right) = {{\vec x}_0}} \\{\vec u\left( \tau \right),\quad \tau \in \left[ {{t_0},t} \right]} \\ \end{array} } \right\}\quad \mapsto \quad \vec y\left( t \right)](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-07e02d34c69c2d72ee20015413a841f6_l3.png)
so folgt daraus:
![Rendered by QuickLaTeX.com \left. {\begin{array}{*{20}{c}}{\vec x\left( {{t_0}+T} \right) = {{\vec x}_0}} \\{\vec u\left( {\tau -T} \right),\quad \tau \in \left[ {{t_0}+T,t+T} \right]} \\ \end{array} } \right\}\quad \mapsto \quad \vec y\left( {t-T} \right)](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-a1269c8604ff75a37c64aaf447cc419b_l3.png)
Ein System in Zustandsraumdarstellung ist genau dann linear und zeitinvariant, wenn es sich in die Form


überführen lässt, wobei
konstante Matrizen sind. Lineare zeitinvariante Systeme werden im Englischen als Linear Time Invariant System, kurz LTI-System, bezeichnet.
0.2.3 Stabilität
Wir betrachten ein LTI-System. Beim Konzept der Stabilität geht es darum, eine qualitative Antwort auf die Frage zu erhalten, wie gutmütig oder boshaft ein System auf gezielt oder unbeabsichtigt angreifende äußere Einwirkungen reagiert.
Grundsätzlich kann man zwischen zwei verschiedenen Einwirkungen unterscheiden:
- Anregung durch Anfangsauslenkung
- Einwirkung einer von null verschiedenen Eingangsgröße
Wir gehen davon aus, dass das System einen Gleichgewichts- bzw. Ruhepunkt
besitzt. Wenn dieser Zustand einmal erreicht ist, wird er nie wieder verlassen, wenn keine Störeinflüsse vorhanden sind. Es gibt nun verschiedene Arten von Stabilität:
- Asymptotische Stabilität: Das System strebt bei einer Anfangsauslenkung und ohne äußere Einwirkung zum Ruhepunkt hin (es kann dabei z.B. auch um diesen schwingen)
- Grenzstabilität: Das System bleibt konstant oder schwingt mit konstanter Amplitude
- BIBO-Stabilität (Bounded Input – Bounded Output): Das System ohne Anfangsauslenkung antwortet auf eine beschränkte Eingangsgröße stets mit einer beschränkten Ausgangsgröße



