Ein gasbefeuerter Schmelzofen hat den in der Abbildung skizzierten Wandaufbau. Zu Beginn hat die Wand eine gleichmäßige Ausgangstemperatur
. Plötzlich strömt heißes Gas über die Wand und gibt dabei einen konvektiven Wärmestrom ab. Die instationäre Aufheizung der Wand soll an den Punkten
,
und
zu den Zeitpunkten
und
untersucht werden.

Annahmen:
- Der Wärmeübergangskoeffizient
ist über die Lauflänge konstant. - Die Wärmeleitfähigkeit ist weder orts- noch temperaturabhängig.
Aufgaben:
- Bestimmen Sie die gesuchten Temperaturen durch eine erste Abschätzung mit Hilfe der Methode der Blockkapazität. Wie sieht der für die Methode der Blockkapazität angenommene Temperaturverlauf in der Wand aus? Ist die Annahme “Blockkapazität” für diesen Fall zulässig?
- Berechnen Sie die gesuchten Temperaturen mit Näherungslösung für große Zeiten. Für welche Fourier-Zahlen ist die Näherungslösung zulässig? Wie lange dauert es, bis die Rückseite eine Temperatur von
erreicht hat?
Gegeben:
Wandstärke Hitzeschutz: 
Dichte Hitzeschutz: 
Wärmekapazität Hitzeschutz: 
Wärmeleitfähigkeit Hitzeschutz: 
Ausgangstemperatur: 
Wärmeübergangskoeffizient: 
Heißgastemperatur: 
Zeiten:
, 
Vorbetrachtungen
(Die instationäre Wärmeleitung ist eines der wesentlichen Kapitel der Vorlesung. Sehr heiß für eine Prüfung. In der Prüfung ziemlich sicher auch nur 1-D)
Zunächst eine kurze Wiederholung der wichtigsten Inhalte der Vorlesung.
Berechnungsmethoden für Instationäre Wärmeleitung (1-D)
Bei der instationären Wärmeleitung ist die Temperatur in Abhängigkeit von Ort und Zeit gesucht
. Ausgangspunkt ist die Fourier’sche Differentialgleichung / Wärmeleitungsgleichung. Ihre Form für eine Platte ohne Quellen lautet im Fall einer orts- und temperaturunabhängigen Wärmeleitfähigkeit
:

Dabei ist

die Temperaturleitfähigkeit. Oft können vereinfachende Annahmen getroffen werden, die die Berechnung deutlich vereinfachen. Um diese einzuführen folgt zunächst zum besseren Verständnis eine kurze Wiederholung der Herleitung der Differentialgleichung.
Wir betrachten ein differentielles Volumenelement des Körpers:

Der 1. Hauptsatz der Thermodynamik liefert die Leistungsbilanz:

Es folgen nun die wesentlichen Schritte.
Einsetzen der Gleichungen für die Wärmeströme führt auf eine Differentialgleichung, die wir anschließend entdimensionieren:

Produktansatz:


Für die beiden entstandenen gewöhnlichen Differentialgleichungen verwenden wir verschiedene Ansätze. Für
wählen wir einen Exponentialansatz:

Das “+” kann bei einem Wärmeleitproblem vernachlässigt werden, da sonst die Temperatur ohne irgendein Zutun steigen würde.
Für
wählen wir einen trigonometrischen Ansatz:

Insgesamt erhalten wir somit:
![Rendered by QuickLaTeX.com \Theta \left( {\tau ,\xi } \right) = {C_A} \cdot \exp \left\{ {-{\delta ^2}\tau } \right\} \cdot \left[ {{C_B}\sin \left( {\delta \xi } \right)+{C_C}\cos \left( {\delta \xi } \right)} \right]](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-6e08613d132e898875197d885d9b60c6_l3.png)
Dies ist die allgemeine exakte Lösung der DGL.
Die Konstanten kennen wir nicht und auch nicht das
. Diese sind problemspezifisch und müssen in jedem Fall einzeln bestimmt werden. Man findet immer mehrere Werte für die Lösung, was an der unendlichen Reihe bei der Fourier-Entwicklung liegt.
Problem auf konvektive Randbedingung zugeschnitten:

Es folgen nun einige Vereinfachungen.
Methode der Blockkapazitäten
Die Methode der Blockkapazitäten darf nur angewandt werden, wenn in einem Werkstück für die Biot-Zahl gilt:

Dies bedeutet, dass die Wärmeleitfähigkeit sehr hoch ist.
In “Grundlagen der Wärmeübertragung” hatten wir z.B. einen Körper in einem Ölbad. Bei der Methode der Blockkapazitäten haben wir angenommen:
- der Körper hat überall die gleiche Temperatur
- es gibt keine Temperaturgradienten
- wir betrachten nur “lange” Zeiten
Dabei müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:
Platte: 
Zylinder: 
Kugel: 
Die Formel für die normierte Temperatur lautet für eine Blockkapazität:

Dabei gilt:
Platte: 
Zylinder: 
Kugel: 
Näherung für “lange” Zeiten (große Fourierzahlen)
Für lange Zeiten wird die Fourierzahl sehr groß, womit die Lösung der Wärmeleitungsgleichung rasch konvergiert. Es reicht daher aus, nur den ersten Term der Fourierreihe Gleichung zu berücksichtigen:

Die Näherungslösung ist allerdings nur zulässig, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
Platte: 
Zylinder: 
Kugel: 
Dies ist die gleiche Forderung wie bei der Blockkapazität. Für die Zahlenwerte der Konstanten der Näherungslösung und für die exakte Lösung für die ebene Platte mit RB 3.Art wird an dieser Stelle auf die erweiterte Formelsammlung verwiesen.
Halbunendlicher Körper



Fourierzahl: 
Für die ebene Platte gilt:



Dabei bezeichnet
die Error-Function, also die Gaußsche Fehlerfunktion. Die Formel für die Fehlerfunktion lautet:

Eine Tabelle mit Zahlenwerten kann in der Erweiterung der Formelsammlung eingesehen werden.
Lösung
a) Methode der Blockkapazität

Für den Temperaturverlauf in x-Richtung gilt bei der Methode der Blockkapazität:

Die Biot-Zahl ergibt sich zu:

Die Biotzahl muss allerdings kleiner als 0,2 sein, damit man die Methode der Blockkapazität anwenden kann. Hier ist diese Methode also nicht zulässig.
Wir führen die Berechnung trotzdem fort um, die gewünschte erste Abschätzung durchführen zu können.
Mit dem 1. Hauptsatz der Thermodynamik und dem Newton’schen Kühlgesetz erhalten wir :



Entdimensionierung:



Trennung der Variablen und Integration:



Anfangsbedingung:

Wir erhalten damit für die Konstante:

Einsetzen:



Bestimmung der Konstanten:



Ergebnis mit der Methode der Blockkapazität:


b) Näherungslösung für große Zeiten
Die Näherungslösung für große Zeiten ist bei Platten zulässig wenn
.

Es ist
, der Kehrwert ist
. Aus der Tabelle in der Formelsammlung können wir nun die Koeffizienten
und
ablesen. Damit erhalten wir:



Diese Lösung ist jedoch nicht zulässig, da
.
Die Ergebnisse für den zweiten Zeitpunkt sind:



Wir bestimmen jetzt die gesuchte Zeit.

Umstellen:

Dieser Rechenweg ist also zum Ermitteln der Zeit zulässig. Wir erhalten:

Zusatz: Exakte Lösung
Zur exakten Berechnung verwenden wir die Reihenlösung für die ebene Platte mit RB 3. Art nach Fourier:

Für
gilt:

Die Reihenkoeffizienten der Platte lauten:

Herleitung der Bestimmungsgleichung für die Eigenwerte
mit RB 3. Art:


Entdimensionierung:



Einsetzen von (I) in (II):






Damit lässt sich nun eine Wertetabelle aufstellen:

Damit erhalten wir die exakten Temperaturen:









