3.1 Die z-Transformation – ein Crashkurs
Wie in früheren Kapiteln besprochen ist die Systemdynamik:

Diese rekursive Relation kann wie folgt dargestellt werden:

Zur Behandlung rekursiver Relationen wie dieser nutzen wir die z-Transformation, die einer Zahlenfolge
eine Potenzreihe in
zuordnet (vergleiche Laplace-Transformation).
Die z-Transformierte von
ist
, wobei gilt:

Die Folgeglieder der Folge
sind also die Koeffizienten der Potenzreihe. Da komplexe Zahlen multipliziert und addiert werden, ist auch
wieder eine komplexe Zahl.
Als Diagramm dargestellt:

Anschauliches Beispiel:


Es gilt:

Dies entspricht der geometrischen Reihe. Sie ist konvergent für
und konvergiert gegen:

Dies ist die sogenannte analytische Fortsetzung der Funktion
.
Der Konvergenzbereich und der Pol bei
lassen sich in der komplexen Ebene wie folgt darstellen:

Wie im Vorwort beschrieben, stellen wir Polstellen als x und Nullstellen als o dar.
Im praktischen Gebrauch muss man sich über den Konvergenzbereich der Potenzreihe keine Gedanken machen, da
über die ganze z-Ebene analytisch fortgesetzt werden kann. Genau wie bei der Laplace-Transformation gibt es auch für die z-Transformation Tabellen.
3.2 Eigenschaften der z-Transformation
Vorab-Betrachtung:
Wir nehmen stets an, dass alle Folgen
für
den Wert 0 annehmen (=verschwinden). Diese Annahme ist gerechtfertigt, denn z.B. sind ja vergangene Eingangswerte (also
) bereits im Anfangszustand
berücksichtigt.
Wir wollen nun für einige wichtige Operationen mit Folgen betrachten, welche Operationen ihnen im sogenannten Bildbereich, d.h. dem Bereich der komplexen Funktionen
, entsprechen.
Die z-Transformation entspricht der Laplace-Transformation bei analogen Signalen.
3.2.1 Linearität
Es gilt:

Also: Der Überlagerung von Folgen entspricht die analoge Überlagerung der zugehörigen z-Transformierten.
3.2.2 Verschiebung der Originalfolge
Gegeben ist eine Folge
mit 
Folgewerte werden “aus der Zukunft geholt”. Die Folge
wird um einen Abtastschritt nach links verschoben. Die verschobene Folge nennen wir
:

Es gilt:



Also: Der Verschiebung einer Folge nach links um einen Abtastschritt entspricht im Wesentlichen eine Multiplikation mit
im Bildbereich.
Analog dazu ist die Verschiebung einer Folge um einen Abtastschritt nach rechts, d.h. Verzögerung um einen Abtastschritt:

Es ergibt sich:



Für eine Verzögerung um
Abtastschritte folgt analog:

3.2.3 Faltungssatz
Den Faltungssatz benutzt man z.B., um die Faltungssumme zwischen Gewichts- und Eingangsfolge in den Bildbereich zu übersetzen.
Gegeben seien zwei Folgen
mit
.
Die Faltungssumme (neue Folge) lautet:

Es gilt:

Der komplizierten Operation der (diskreten) Faltung zweier Folgen entspricht also im Bildbereich die Multiplikation ihrer z-Transformierten.
3.2.4 Grenzwertsätze
Gegeben sei eine Folge
mit der z-Transformierten
.
Anfangswertsatz:

Endewertsatz:
Unter der Voraussetzung, dass der Grenzwert
existiert, gilt:

Bemerkung:
Die Berechnung der z-Transformierten
zu einer gegebenen Folge
und die Rücktransformation einer z-Transformierten in den Folgenbereich erfolgt im Allgemeinen mit Hilfe von Korrespondenztabellen.
3.3 z-Übertragungsfunktion
Wir übersetzen nun die Systembeschreibung im Zeitbereich,


mit Hilfe der z-Transformation in den Bildbereich.
3.3.1 Transformation der Zustandsgleichung
Aus der Linearität der z-Transformation folgt:

Mit dem Verschiebungssatz folgt:

Einsetzen:

Daraus ergibt sich durch Umstellen die z-Transformierte des Zustandsvektors als Funktion des Anfangszustandes
und der z-Transformierten der Eingangsfolge:

3.3.2 Transformation der Ausgangsgleichung
Wegen der Linearität der z-Transformation gilt:


Hier setzen wir nun die transformierte Zustandsgleichung ein:
![Rendered by QuickLaTeX.com Y\left( z \right) = z{\vec c^T}{\left( {zI-A} \right)^{-1}}{\vec x_0}+\underbrace {\left[ {{{\vec c}^T}{{\left( {zI-A} \right)}^{-1}}\vec b+d} \right]}_{ = :G\left( z \right)}U\left( z \right)](http://me-lrt.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-38f43c89e6d78ac71b0df21d1e1dd2e4_l3.png)
Wir betrachten nun das reine Eingangs-Ausgangs-Verhalten und setzen für diese Betrachtung den Anfangszustand auf
. Es folgt:

Dabei ist

die z-Übertragungsfunktion des Systems.
Zur Erinnerung: Die zeitkontinuierliche Übertragungsfunktion
lautet:

Die z-Übertragungsfunktion
und die zeitkontinuierliche Übertragungsfunktion
sind also, mathematisch gesehen, identisch aufgebaute Funktionen einer komplexen Variablen. Die z-Übertragungsfunktion weist also analoge mathematische Eigenschaften auf wie die zeitkontinuierliche Übertragungsfunktion.
3.3.3 Pole und Nullstellen der z-Übertragungsfunktion
Die z-Übertragungsfunktion
ist eine gebrochen rationale Funktion der komplexen Variablen
und lässt sich somit als Quotient zweier koprimer Polynome in
schreiben (koprim bedeutet, dass die beiden Polynome
und
keine gemeinsamen Nullstellen haben):

Dabei gilt bei einer Systemordnung von
:

Die Zahlen
heißen Pole, die Zahlen
heißen Nullstellen der z-Übertragungsfunktion.
Weiterhin gilt:
Das Nennerpolynom
ist entweder identisch mit dem charakteristischen Polynom

der Matrix
, oder es entsteht aus diesem durch Kürzen eines oder mehrerer Linearfaktoren. Die Pole der z-Übertragungsfunktion
sind also stets auch Eigenwerte der Matrix
des diskreten Zustandsraummodells.
Wenn das diskrete System vollständig steuerbar und beobachtbar ist, dann gilt:
Menge der Pole von
= Menge der Eigenwerte von
.
Andernfalls kürzen sich die zu den nicht steuerbaren oder nicht beobachtbaren Eigenbewegungen / Eigenwerten gehörenden Linearfaktoren in
heraus.
Da die z-Übertragungsfunktion das E/A-Verhalten des diskreten Systems beschreibt, ist sie unabhängig vom verwendeten Zustands-Koordinatensystem, bleibt also bei einer regulären Zustandstransformation unverändert. Wir können daher den Zusammenhang zwischen Polen von
und Eigenwerten der Matrix
noch von einer anderen Seite her beleuchten, indem wir – vorausgesetzt die Matrix
ist diagonalisierbar – das Zustandsraummodell in kanonischen Zustands-Koordinaten hinschreiben. Für
ergibt sich dann:





Anhand dieser kanonischen Darstellung wird sichtbar:
Der Eigenwert
ist genau dann kein Pol von
, wenn der zugehörige Summand
in der Summe nicht auftaucht, d.h. wenn entweder die Eigenbewegung zum Eigenwert
nicht beobachtbar / auslesbar ist (
), oder wenn die Eigenbewegung zum Eigenwert
nicht steuerbar / anregbar ist (
). Damit ist die frühere Behauptung gezeigt.
3.3.4 Stabilität, Zusammenhang zwischen s- und z-Ebene
Wir betrachten nun wieder das E/A-Verhalten, d.h.
. Es gilt:

Für BiBo-Stabilität müssen wir prüfen, ob der folgende Grenzwert existiert:

Ein zeitdiskretes System ist genau dann BiBo-Stabil, wenn alle Pole von
im Inneren des Einheitskreis der komplexen Ebene liegen, d.h.
.
Zusammenhang zwischen den Polen
der Übertragungsfunktion des zeitkontinuierlichen Systems und den Polen
von
der z-Übertragungsfunktion des Abtastsystems:
Die Pole
von
sind die steuerbaren und beobachtbaren Eigenwerte
der zeitdiskreten Systemmatrix (Eigenwerte zu den anregbaren und auslesbaren Eigenbewegungen).
Für diese Eigenwerte gilt die folgende Beziehung:

Dabei ist
die Systemmatrix des kontinuierlichen Systems und
die Abtastzeit. Diese Beziehung beschreibt eine Abbildung von der s-Ebene in die z-Ebene.
Für Pole der Übertragungsfunktion gilt:

Die Pole liegen also in der z-Ebene an anderen Stellen als in der s-Ebene. Hier eine Grafik zur Veranschaulichung:

Falls das zeitkontinuierliche System BIBO-Stabil ist, ist das zugehörige Abtastsystem ebenfalls BIBO-stabil. Die Lage der Pole
in der s-Ebene gibt Aufschluss über den Stabilitätsgrad und die Mindestdämpfung. Die folgende Grafik veranschaulicht, wohin die Pole
durch die Abbildung
wandern, und wie sich das auf die Stabilitätsbereiche und das Übertragungsverhalten des Abtastsystems auswirkt.

Nehmen wir an, das kontinuierliche System hat einen vorgegebenen Stabilitätsgrad
. Das bedeutet:

Für das Abtastsystem folgt daraus:

Nehmen wir nun an, für die Kreisfrequenzen der kontinuierlichen Pole gilt:

Für das Abtastsystem folgt daraus:




